Auf seinen Streifzügen durch Bibliotheken und Archive, auf den Forschungsreisen nach Prag oder Israel stößt der Kafka-Biograf Reiner Stach immer wieder auf unglaubliche Funde: Handschriftliche Ungereimtheiten, unerwartete Fotografien, Briefausschnitte und Zeugnisse von Zeitgenossen, die ein überraschendes Licht auf die Persönlichkeit und das Schreiben Franz Kafkas werfen. Für den Band "Ist das Kafka?" hat Reiner Stach die 99 aufregendsten Fundstücke zusammengetragen und kommentiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2012
Dass Franz Kafka auch komische Seiten hat, ist nach Ansicht des Rezensenten Oliver Pfohlmann beim breiten Publikum noch immer nicht ganz angekommen. Insofern begrüßt er Reiner Stachs Sammlung von "99 Fundstücken", die hartnäckige Kafka-Klischees zu korrigieren versucht. Neben wenig bekannten Texten findet er darin biografische Szenen und eine Reihe von Äußerungen Kafkas, die den Prager Dichter in eher ungewohnten Kontexten zeigen und dessen Wortwitz, Pointenreichtum und Liebe zum Slapstick hervorheben. Pfohlmann unterstreicht, das Stach seine "Fundstücke" nur knapp kommentiert und sie ansonsten für sich selbst sprechen lässt.
Kaum ein Schriftsteller hat eine so eingeschworene Anhängerschar wie Franz Kafka, jedes geschriebene Wort und jede überlieferte Anekdote gehen in den von seinen Exegeten eifersüchtig bewachten Kafka-Kosmos ein, so Rezensent Fritz J. Raddatz. Er sieht sich nicht als Mitglied dieses geheimbündlerischen "Dechiffriersyndikats" und hegt daher zunächst Zweifel, ob er für die Besprechung von Reiner Stachs "Ist das Kafka?" überhaupt der Richtige ist. Diese Zweifel verflüchtigen sich jedoch, als er feststellt, dass die Anthologie durchaus nicht nur für Spezialisten geeignet ist, sondern auch einen hervorragenden Einstieg ins Werk des Prager Schriftstellers darstellt. Wer das schon in- und auswendig kennt, mag sich daran stören, dass der Band keine neuen Funde oder eigene Interpretationen enthalte. Für alle anderen ist es eine "vergnügliche, auch lehrreiche Lektüre", verspricht Raddatz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2012
Mal komisch, mal berührend fand Rezensent Hubert Spiegel die Fundstücke, die Kafka-Biograf Reiner Stach für diese Sammlung zusammengetragen hat. Unter anderem liest Spiegel hier von dem "Millionenplan", für den Kafka und Max Brod eine Reihe mit europäischen Städteführern herausgeben wollten. "Billig" sollte die Reihe heißen, und war einfach - wie so vieles bei Kafka - ihrer Zeit zu weit voraus, um erfolgreich zu sein. Außerdem erfährt Spiegel, wie Kafka im Luzerner Casino sein Geld verspielte oder über die "Besitzlose Arbeiterschaft" sinnierte. Spiegel weist darauf hin, dass nicht alles in diesem Band von Kafka selbst und nicht alles neu ist, und Kafka immer mehr als die Summe aller Klischees.
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