Ein kleiner Junge steigt aus dem See, aus seinen viel zu großen Badeshorts läuft das Wasser in den Kies. Nichts ist passiert, könnte man leichthin behaupten. Aber Finn-Ole Heinrich sieht neun Erzählungen lang genauer hin und schafft es, den Leser dabei an allen kleinen Details, allen Wendungen teilhaben zu lassen. Ihn spüren zu lassen, dass die Fingerspitzen runzelig und die Lippen blau geworden sind und der Kies seine ganz eigene Weite besitzt.
Enorme Stilsicherheit bei gleichzeitiger Street-Credibility bescheinigt Rezensent Frank Schäfer diesem bereits 2005 erschienenen Erzähldebüt von Finn-Ole Heinrich, der sich aus Sicht des Rezensenten vor dem allseits gefeierten Clemens Meyer nicht zu verstecken braucht. Inhaltlich schreiten die Erzählungen dieses Bandes Schäfer zufolge den Erfahrungshorizont eines Mittzwanzigers, also des Autors ab, handeln von Identitätsfindungsproblemen, erdrückender Mutterliebe oder Bulimie. In der längsten Erzählung des Bandes, "Schwarze Schafe", gehe es darüber hinaus um Straßenjungen im polnischen Katowice. Doch selbst diesem "Elendssoziotop" zeige sich Heinrich stililstisch wie inhaltlich gewachsen, schreibt der Rezensent, der der impressionistischen und feinfühligen Art seiner situativen, atmosphärischen Beschreibungen immer wieder viel abgewinnen kann.
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