Frank Rexroth

Fröhliche Scholastik

Die Wissenschaftsrevolution des Mittelalters
Cover: Fröhliche Scholastik
C.H. Beck Verlag, München 2018
ISBN 9783406725210
Gebunden, 505 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Im mittelalterlichen Europa ereignete sich eine Revolution, die bis heute unser Leben bestimmt: Gelehrte befreiten sich von den Glaubensgewissheiten der Vergangenheit und gingen ihren eigenen Fragen nach. Frank Rexroth lässt in seinem Buch das Leben der mittelalterlichen Gelehrten, ihre neuartigen Schulen, ihre Emotionen, Ideen und Entdeckungen lebendig werden und zeigt, wie schließlich das entstand, was wir heute Wissenschaft nennen.
Als Peter Abaelard im 12. Jahrhundert den Vorrang der Vernunft in allen Fragen verkündete (und noch dazu ein Verhältnis mit seiner Schülerin Heloise begann), war das ein Skandal. Doch er war nicht der Einzige, der eigensinnig sein Wissen selbst erforschen und sein Leben dem neuen Projekt des "scholastischen" Wissens verschreiben wollte. Frank Rexroth erzählt, wie sich Schüler zu neuen Gruppen und Schulen zusammenfanden, beobachtet ihre Treue zum Lehrer, ihre Rangstreitigkeiten und ihre lebenslangen Bindungen. Er zeigt, wie Hand in Hand mit der neuen Lebensweise intellektuelle Veränderungen vor sich gingen, die bis heute fortwirken: Gelehrtes Wissen fächerte sich in unterschiedliche Disziplinen auf, es musste strengen Wahrheitsansprüchen genügen - und sollte auch noch nützlich sein. Am Ende dieser epochalen Wende europäischer Intellektualität steht die Geburt der Universität.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2018

Ulf von Rauchhaupt ist beeindruckt, wie Frank Rexroth in seinem Buch das Aufkommen wissenschaftlichen Denkens vor den Universitäten und vor dem Humanismus nachweisen kann. Der Autor interessiert sich laut Kritiker weniger für die großen Namen der Epoche von Albertus Magnus bis Wilhelm von Occamt, als für die durchaus konfliktbeladene Herausbildung einer ganz neuen soziokulturellen Gelehrsamkeit. Dass Rexroth bei allem Ernst auch die schiere Freude der frühen Scholastik am (Gegen-)Argument ins Bild setzt, klar und knapp und wortgewandt, gefällt Rauchhaupt. Angaben über die wirtschaftlichen Aspekte der "Universitas", die Kosten des Unterrichts etc., vermisst er im Buch.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2018

Susanne Reichlin liest das Buch des Historikers Frank Rexroth als Hinweis auf die sozialen Bedingungen des Wissens einerseits, als daraus abgeleitetes Plädoyer für Wissenschaftsfreiheit andererseits. Der Blick auf die Anfänge der Universität im Paris des 12. Jahrhunderts bedeutet der Rezensentin die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Institution und Gesellschaft und legt eine subtile Spur bis ins Heute, die Reichlin zum Nachdenken über aktuelle universitäre Verhältnisse anregt. Von der Zweckgebundenheit des Wissens bis zum methodischen Wahrheitsbegriff, zu Kritik und Zweifel beschreibt Rexroth der Rezensentin detailliert die Entwicklung zur univeritas.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2018

Der hier rezensierende Historiker Valentin Groebner findet Frank Rexroths Beschreibung der rund um die Kloster- und Domschulen entstehenden Gelehrtenkultur im 12. Jahrhundert charmant. Wie sich Wissenschaftsjargon und Lehrercharisma ausbildeten, welche Spielregeln in den Diskursgemeinschaften galten, interessiert den Autor laut Groebner, weniger dagegen die abstrakten Streitfragen der Zunft. Eine Geschichte der Institutionalisierung neuer Wissensformen mit Hierarchisierung, Reglementierung und Vorschriften entsteht, die der Autor bis zum Aufstieg der Universitäten nachzeichnet, so der Rezensent. Klug findet er Rexroths Überlegungen zum Verhältnis zwischen Askese und Profit in den frühen Lehranstalten. Blinde Flecken entdeckt Groebner allerdings auch. Dass der Autor Wissenszentren wie Bagdad oder Konstantinopel unberücksichtigt lässt, kann er ebenso wenig verstehen wie den Umstand, dass äußere Faktoren für den Aufbruch Europas ins Zeitalter des Wissens (Geld, Eroberungen, Bevölkerungswachstum) im Buch kaum vorkommen.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…