Das Buch zeichnet das politische Ringen von Politikern und Ministerialbeamten, Richtern und Wissenschaftlern um eine Europäische Union seit dem Haager Europakongress 1948 bis zum Vertrag von Lissabon 2007 nach. Frank Schorkopf rekonstruiert das Projekt einer europäischen politischen Ordnung als ein Neben- und Miteinander von drei Denkströmungen, der Konstitutionalisten, Gouvernementalisten und Pragmatisten, in der die konstitutionelle Autorität unentschieden ist. In den sechzehn Kapiteln wird deutlich, dass die handelnden Personen zwar etwas Neues schaffen wollten, sich von ihren verfassungshistorischen Prägungen aber kaum lösen konnten und stets mit klassischen Fragen an eine Machtarchitektur konfrontiert wurden: nach Legitimation und Akzeptanz, nach Grundrechtsschutz und Identität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2023
Eine wichtige Ergänzung zur Literatur über die europäische Gemeinschaft stellt Frank Schorkopfs Buch laut Rezensent Daniel Siemens dar; und zwar, weil der Jurist deren Entstehung und Entwicklung als eine Verfassungsgeschichte darstellt. Schorkopf unterscheidet, lernen wir, zwischen drei grundsätzlich unterschiedlichen Haltungen zur juristischen Integration der Gemeinschaft und er zeichnet nach, wie diese über die Jahrzehnte mal stärker und mal schwächer werden, ohne dass je eine komplett die Oberhand gewinnt. In der Nachkriegszeit dominieren, lernen wir, die sogenannten Gouvernementalisten, die keine echte europäische Verfassung wollen, sondern auf eine Zusammenarbeit auf suprastaatlicher Ebene setzen. Ab den 1970ern, stellt Siemens die Argumentation dar, gewinnen Versuche, parlamentarische Strukturen auf europäischer Ebene zu stärken, an Dynamik, ab den 1980ern und bis in die Gegenwart ist das politische Europa damit beschäftigt, osteuropäische Staaten zu integrieren. Auch wenn es weiter Bemühungen gibt, die Handlungsfähigkeit der gemeinsamen europäischen Institutionen zu stärken, finden sich auch gegenläufige, EU-feindliche Tendenzen, heißt es weiter. Insgesamt beschreibt das Buch, schließt die Rezension, die europäische Einigung als einen ewig unabgeschlossenen Prozess.
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