Klappentext

"Ich sah alle Buchstaben und Zahlen in Farben, Musik erzeugte farbige Linien in mir, und ich konnte mir beliebig viele Wörter und Zahlen merken, sofern ich sie vorher mit Aufmerksamkeit betrachtet hatte." Die Buchhändlerin Nanette ist Gedächtniskünstlerin, hat aber ihre synästhetischen Merkfähigkeiten durch einen mysteriösen Vorfall verloren. Um so mehr interessiert sich ein berühmter russischer Gehirnforscher für sie, der sie bittet, ihre Geschichte aufzuschreiben. Als junge Frau streift sie durch das Berliner Nachtleben der achtziger und neunziger Jahre. Sie lernt bekannte Persönlichkeiten kennen, verliebt sich aber in einen jungen Mann, den sie Dutschke nennt. In ihren Erinnerungen spielen zwei Bilder von William Turner eine geheimnisvolle Rolle, die 1995 aus der Frankfurter Ausstellung "Goethe und die Kunst" verschwunden waren. In der Deutung der Farbigkeit dieser Bilder verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Dichtung, und die Geschichte wird zunehmend unheimlich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2009

Ganz und gar unsympathisch, das wird man wohl sagen dürfen, ist der Rezensentin Meike Fessmann dieser Roman. Verfasst hat ihn der Literaturprofessor und FAZ-Kritiker Friedmar Apel, und was Fessmann daran nicht mag, ist vor allem eins: der unglaublich selbstverliebte "Gestus", mit dem der Autor darin seine "Gelehrsamkeit" zu erweisen sucht, indem er "ein Pfauenrad nach dem anderen" schlägt. Die Geschichte spielt im wesentlichen im Berlin der achtziger Jahre, rund um den Savigny-Platz. Wer dabei war, wird so ziemlich alles bis ins Detail, meint Fessmann, wiedererkennen. Viel Literaturbetriebs-Prominenz läuft überdies durchs Bild. Mehr als einmal fragt die Rezensentin in ihrer Besprechung allerdings: Dient das alles etwas anderem als der Eitelkeit seines Verfassers? Ihre Antwort darauf lautet, das wird man wohl sagen dürfen, von ganzem Herzen: Nein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2009

Das Buch nennt Martin Halter beim Namen. Eine Kopfgeburt sei es, aber wenn man diese zu nehmen weiß, also die Zeichen aus dem Vorrat der Berliner Kulturschickeria der 80er und 90er Jahre zu lesen vermag, meint Halter, lässt sich damit durchaus leben und lachen. Das von Friedmar Apel für seinem zweiten Roman so anspielungsreich in Szene gesetzte, humanistisch gebildete Intellektuellen-Groupie Nanette versorgt den Rezensenten allerdings weder mit einem ordentlichen (Krimi-)Plot noch mit Identifikationspotential. Für Halter ist sie eine reine Kunstfigur, keine Erzählerin. Kein Wunder also, dass Nanette dem armen Rezensenten ihre Erinnerungen und Erlebnisse mit Heiner Müller, Kippenberger und Otto Schily in bunter Selbstbezüglichkeit "fast wahllos" präsentiert. "Profane Erleuchtungen" wie bei der Lektüre von Bretons "Nadja" hat Halter immerhin auch, wenn Apel seine Nanette interdisziplinär und mit "feinem Humor" loslegen lässt.
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