Friedrich Christian Delius

Der Königsmacher

Roman
Cover: Der Königsmacher
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783871344381
Gebunden, 318 Seiten, 22,91 EUR

Klappentext

Albert Rusch, ein Schriftsteller mit wenig Erfolg, will endlich einen Bestseller schreiben und stößt auf der Suche nach einem passenden Stoff auf eine alte Familiengeschichte: Seine Urururgroßmutter war das uneheliche Kind einer Berliner Tänzerin und des Prinzen von Oranien, der später als Willem I. den holländischen Thron bestieg ... Doch wie lässt sich eine romantisch-traurige Geschichte aus dem 19. Jahrhundert heute erzählen? Rusch findet keine Lösung, stattdessen identifiziert er sich im Zuge der Recherchen mehr und mehr mit seiner Rolle als Nachfahre der Preußenkönige. Damit ist er überraschend erfolgreich: Als Leitfigur eines neu entdeckten Preußen-Mythos avanciert er zum Medienstar...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2001

Das traurige Schicksal des Popliteraten Albert Rusch, zu Fernsehruhm gekommen mit seinem Wunsch, man möge die Preußen wieder feiern, schildert Delius in seinem neuesten Roman. Die Forderung sorgt für Aufsehen, das literarische Schaffen jedoch nicht. Ein "grandios gescheitertes Romanwerk" bekommt der Leser zu lesen - und der Rezensent Holger Noltze versteht sehr gut, warum das nichts geworden ist: statt Charakteren nur Abziehbilder.. Leider ist er auch vom Roman über den Roman und über den Popliteraten, der im übrigen erst in der Psychiatrie, dann im Museum landet, nicht sehr begeistert. Neid auf einschlägig Berühmte wittert er (ein "von F." tritt unter anderem auf) und findet, dass das Buch kaum mehr als eine Mediensatire ist, allerdings eine "nicht ganz frische" und missmutig klingende.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2001

Als "überdreht und überaus harmlos" bezeichnet Lothar Müller diesen Roman von Friedrich Christian Delius. Der Erzähler, ein relativ erfolgloser Schriftsteller, vertieft sich anhand seines eigenen Stammbaumes in die Geschichte Preußens, die für ihn zu einer Offenbarung wird, weil er zuvor nichts darüber wusste. Der Roman sei unter anderem eine Art "kleiner Sketch zum Literaturbetrieb", in dem der Erzähler "die Pop-Literatur mit der Vermarktung seiner preußischen Herkunft kontert", und das in einem Durcheinander der verschiedensten Stile.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Dieser Roman über den fiktiven Autor Albert Rusch hat zwei Ebenen: Die eine Geschichte ist eine "historische Fleißarbeit" über Ruschs preußische Ahnen, die andere eine "satirische Rahmenhandlung" über die Funktionsweise des Literaturbetriebs, in der der Erzähler Rusch Erfolg sucht. Diese beiden Geschichten passten nicht wirklich zusammen, findet Rezensent Martin Krumbholz. Auch sieht er den Autor nicht als begnadeten Satiriker: "die Rahmenhandlung ... ist in ihrem moralischen und medienkritischen Furor nicht wirklich komisch". Delius' Stärke liegt Krumbholz Meinung nach eher darin, "authentische und persönliche Stoffe" zu bearbeiten. Hier aber sei keiner der beiden Romanteile wirklich gelungen - die Beschreibung von Ruschs Literatenrealität ebenso wenig wie die Fragmente des historischen Romans, die "spröde wie ein Drehbuch" seien und an "der immensen Materialfülle" erstickten. Krumbolz bemängelt überdies, dass sich die beiden Teile immer gegenseitig ins Wort fallen und die Wirkung der Erzählung verloren geht: "Wo dabei eigentlich der Autor Delius steht, erfährt man bis zum Ende nicht."

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