Fritz von Herzmanovsky-Orlando

Scoglio Pomo oder Rout am Fliegenden Holländer

Roman
Cover: Scoglio Pomo oder Rout am Fliegenden Holländer
Residenz Verlag, St. Pölten 2007
ISBN 9783701714698
Gebunden, 347 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Klaralinda Ma-Kircher. Scoglio Pomo heißt die kleine Felsinsel in der Adria, die unentdeckt geblieben wäre, ginge es bei Herzmanovsky-Orlando mit rechten Dingen zu. So aber dient Scoglio Pomo einer Gesellschaft debiler Graf Bobbys, überfressener Damen und holländischer Bohnenkönige als mondäner Kurort. Es geht bunt und prunkvoll zu in diesem sagenhaften Atlantis des liebenswert vertrottelten Österreichertums: Man pflegt seine Marotten und lebt seinen Spleen, man feiert Bälle auf Geisterschiffen, bis der Zauber endlich schwindet, dann liegt man im Wasser. Als die britische Flotte auch noch die letzten Reste der Märcheninsel in Trümmer schießt - ein bedauerlicher Irrtum - und dem greisen Kaiser sein Würstelfrühstück verdirbt, ist das Schicksal dieses Traumreichs endgültig besiegelt. Pomo ist eine Märcheninsel voll wunderlicher Geschichten, bevölkert von Sonderlingen von eleganter Angetepschtheit. Hier gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt!

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.07.2008

Bilder des Untergangs, schon. Und wie. Verklärung jedoch kann Karl-Markus Gauß in diesem wunderlichen, das Mittelstück der "Österreichischen Trilogie" bildenden Roman nicht entdecken. In seinen Augen tobt sich hier ein sprachwitziger, anarchistischer Mythomane ordentlich aus. Das ist mal grotesk, mal boshaft, wie Gauß erklärt, der sich allerdings ganz gut unterhalten hat auf der von Fritz von Herzmanovsky als kakanische Utopie ersonnenen Insel voll mit dementen Blaublütigen, neureichen Parvenüs, geilen Böcken und hübschen Mädchen. Wenn ihm die Handlung auch unbedeutend erscheint, so stellt das Buch stilistisch und die "mäandernde Fantasie" des Autors betreffend offenbar eine schöne Herausforderung dar, mit der sich schon die Wiener Avantgarde gerne beschäftigt hat. Allzu ernst möchte Gauß das Ganze allerdings auch nicht nehmen. Philologen, die sich mit konkurrierenden Herzmanovsky-Ausgaben bekriegen, sind für den Rezensenten eine eher verdrießliche Vorstellung.

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