Aus dem Französischen von Anne Weber. In Versen treibt Perros assoziativ und geleitet vom Rhythmus der Sprache durch die Windungen seines Lebens. Vieles scheint beiläufig, nebensächlich, und vieles, was gemeinhin ein Leben ausmacht, bleibt in seiner komprimierten Beschreibung unerwähnt. Der Leser wird nach und nach in den Bann einer Autobiografie geschlagen, die nicht beschönigt oder nachbessert, sondern das Individuelle übersteigt und letztlich einfach vom Leben erzählt, von dessen Schlichtheit und würdevoller Schönheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2012
Mit großer Freude hat Niklas Bender diesen Gedichtroman von Georges Perros aufgenommen, der jetzt endlich in deutscher Übersetzung vorliegt. Er würdigt die Leistung von Anne Weber, den in Achtsilbern gehaltenen Roman "präzise und einfühlsam" übersetzt zu haben. Obwohl der Autor auch in Frankreich nicht sonderlich bekannt ist, scheint dem Rezensenten die französische Lyrik nach 1945 ohne Perros undenkbar. Dessen Verdienst sieht er insbesondere darin, der französischen Lyrik den Alltag nahegebracht zu haben. Die Alltagsnähe, das Unaufgeregte, Unprätentiöse ist für den Rezensenten auch in "Luftschnappen war sein Beruf" spürbar: "der Weizen ist nicht blau ich weiß / aber ein Wort gibt das andere / und alles hat die Farbe des Himmels / wenn unser Auge auf neu eigestellt ist", zitiert er den Dichter. Zugleich lobt Bender die hinreißenden Bilder, in denen Perros Kindheit und Jugend beschreibt. Themen wie Arbeit, Freundschaft, Schönheit finden sich in dem Buch ebenso wie Erinnerungen, Begegnungen und Porträts von Schauspielern und Dichern. Das Fazit des Rezensenten: eine wunderbare Entdeckung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2012
Maike Albath legt uns George Perros' Versroman als "ganz und gar ungewöhnliches" Werk ans Herz, in dem trotz des Spotts, den der Autor für eine solche Lesart nur übrig hat, die autobiografischen Lebensspuren greifbar sind. Das Buch erschien 1967 im französischen Original und liegt nun in einer Übersetzung von Anne Weber vor, die die Rezensentin ebenso enthusiastisch lobt wie deren informative Nachwort, das ihr die Lektüre entschieden versüßt hat, wie sie betont. Nicht ohne Anstrengungen muss sich der Leser auf die kaum je durch Interpunktion strukturierten und an erzählerischem Hakenschlagen reichen Verse einlassen und wird dann durch eine sinnliche Sprache und dem Wechsel von hohem und lockerem Ton in den Bann gezogen, wie Albath verspricht. Vor allem ist dieser Gedichtroman, in dem Perros aus seiner Pariser Kindheit, die Geschichte seiner Ehe oder aus dem Alltag der Familie erzählt, frei von Melancholisch-Gefälligem oder gar Sentimentalität, preist die Rezensentin. Mal mit "deftigem Witz", mal in literarischen Anspielungen wird dieser Gedichtroman zu einer "köstlichen Begegnung" mit dem 1978 verstorbenen Lyriker, wie die Rezensentin schwärmt.
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