Aus dem Englischen von Wolfgang Ströle. Molly Moon - so lustig, schräg, mutig und frech wie Pippi Langstrumpf - ist im düsteren Waisenhaus von Hardwick gar nicht glücklich. Bis sie eines Tages ihr Talent zur Hypnose entdeckt und in ein Abenteuer gerät, das sie bis nach New York an den schillernden Broadway führt. Molly scheint am Ziel ihrer Träume, wäre da nicht der zwielichtige Professor Nockman, der finstere Pläne schmiedet.
Annette Kautt warnt schon mal vor: Bald werden überall Papp-Aufsteller der neuesten Vom-Waisenkind-zum-Superstar-Figur die Buchhandlungen überschwemmen - Molly Moon ist im Anmarsch, ein hässliches Entlein, dass sich mittels Hypnose an ihrer Heimleiterin und allen anderen rächt und ganz groß rauskommt. Das befürchtet Kautt auch von dem Buch: Die Lizenz sei schon in 25 Länder verkauft, die Filmrechte an den Harry-Potter-Produzenten. Schön und gut - nur solle man Molly bitte nicht, wie das der Verlag tut, mit Pippi Langstrumpf vergleichen, denn schließlich sei das kleine Fräulein Moon alles andere als mutig und witzig, nämlich langweilig und eingeschnappt. Nicht aus sich selbst heraus, sondern erst durch die Fähigkeit der Hypnose verändere sie etwas an ihrem Leben - um dann gleich so richtig aufzutrumpfen. Aber so sei das eben heutzutage, wo "Extrovertiertheit als Tugend gilt" und Starqualitäten mehr zählen als Charakter. Konsequent also, findet Kautt, dass sich auch das Heldenbild ändert. Aber Pippi Langstrumpf? Pah!
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.03.2003
Mit expliziten Wertungen hält sich Judith von Sternburg zurück, aber das Debüt von Georgia Byng scheint ihr gefallen zu haben, sonst würde sie nicht so hingebungsvoll den Inhalt schildern. Besonders die romantisierende Köchin und die Heimleiterin mit Flugambitionen haben es der Rezensentin angetan, und auch die Handlung nehme nach den ersten Seiten, wo ihr Molly "etwas zu arm" und das Waisenhaus "etwas zu Oliver-Twist grausig" erscheint, rasch "an Fahrt auf". Zwar falle es Byng nicht leicht, nach all den Vorzügen der unlauteren Hypnosetechniken ihrer Protagonistin die "moralische Kurve" zu bekommen, aber die Rezensentin ist sich sicher: auch skeptische Leser werden den zu erwartenden Nachfolgeband, "schleunigst lesen". Das darf wohl als Kompliment an die Autorin verstanden werden.
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