Aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Der Sommer 1992 ist ein extrem kalter Sommer in Süditalien. Und es ist der Sommer der brutalen Mafia-Anschläge auf die Staatsanwälte Falcone und Borsellino. In Bari wütet derweil ein regelrechter Krieg zwischen verschiedenen Mafia-Gangs. Als der Sohn des Clanführers Grimaldi entführt und kurz darauf tot aufgefunden wird, übernimmt Maresciallo Fenoglio die Ermittlungen. Der Verdacht fällt schnell auf Grimaldis Gegenspieler Lopez, der Fenoglio daraufhin Informationen anbietet, um seine Familie zu schützen. Doch ist Lopez wirklich für den Tod des Jungen verantwortlich?
Im Perlentaucher:
Bei der Spitze dieses blutigen Dolches
Herzstück des Buchs ist jedoch die Vernehmung des aussagewilligen Kronzeugen. Carofiglio gibt dieses Verhör als protokollarische Abschrift wider, Frage und Antwort im stetigen Wechsel, auf fast über hundert Seiten. Er benutzt dafür jene distanziert-offiziöse Antisprache, über die Italo Calvino einst schrieb, dass sie nichts mit den Bedeutungen der Lebens gemein habe Thekla Dannenberg in Mord und Ratschlag
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2018
Hannes Hintermeier ist für ein Treffen mit Gianrico Carofiglio nach Bari gereist und lässt in seinem Porträt den Krimi-Autor und einstigen Staatsanwalt ausführlich über seinen Kampf gegen die kriminellen Clans in Apulien erzählen. Aber Hintermeier verliert auch einen Worte über Carofiglios neuen Roman "Kalter Sommer", der von Abrechnungen zwischen zwei baresichen Mafia-Familien erzählt. Der Krieg zwischen den beiden hat sich 1992 genauso zugetragen, in jenem "kalten Sommer", in dem auch die Anti-Mafia-Staatsanwälte Falcone und Borsellino ermordet wurden. Hintermeier findet den Roman ungeheuer instruktiv, weil Carofiglio die Vernehmung eines Kornzeugen in Passagen darlegt, die viel über Verhörtechniken, aber auch über Mafia-Strukturen enthüllen. Über Schwächen im Spannungsaufbau und in der Charakterzeichnung sieht er angesichts dieser Stärken hinweg.
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