Verlassene Gebäude, denen noch immer unverkennbare Schönheit und narrative Kraft innewohnen. Giovanni Maria Saccos "Silent Theaters" handelt scheinbar von verlassenen Fabriken, deren Stille an die Stille von Theatern nach der letzten Aufführung erinnert. Und, wie in Theatern, stellt man sich diese Orte voller Lärm vor, erfüllt von Stimmen, Menschen und Aktivität, die plötzlich aufhören und nicht mehr da sind. Aber das eigentliche Thema ist das Ende menschlichen Strebens, der langsame Verfall von Dingen, Hoffnungen, Bemühungen. Bevor diese Gebäude abgerissen werden, um Platz für irgendein nutzloses Einkaufszentrum zu machen, zeigen sie, dass Ruin und Verfall auch würdevoll und schön sein können. Tatsächlich geht es hier um den Tod selbst: zu schrecklich, um ihn direkt zu betrachten und zu erkennen, dass er tatsächlich nur ein Schritt auf einer Reise ist, vielleicht der letzte. Saccos verlassene Fabriken stellen eine klare und eindringliche Metapher für den Tod dar.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.10.2023
In den höchsten Tönen schwärmt Rezensent Frank Dietschereit von diesem Fotoband des hierzulande noch wenig bekannten italienischen Fotografen Giovanni Maria Sacco. In den Schwarzweiß-Fotografien von verlassenen Gebäuden meint der Kritiker mitunter die modrige Luft zu riechen und die Stille zu spüren, so präzise und eindringlich erscheinen ihm die Aufnahmen. Wenn der Rezensent hier in verfallende Theatersäle oder still gelegte Textilfabriken blickt, auf verwitterte Türen, zurückgelassene Arbeitsstiefel oder zerfetzte Vorhänge, getaucht in Licht und Schatten, erkennt er auch die Melancholie der Fotos. Nicht zuletzt ist der Band für ihn ein Dokument des von der "Globalisierung geschundenen" Italiens.
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