Noch immer gilt die Vergabe der Fußball-WM 2022 durch die FIFA an Katar als Mysterium. Dabei erschien der Zuschlag gerade westeuropäischen Unternehmen derart lukrativ, dass man früh darauf drängte, ins Geschäft zu kommen - Hitze hin, Fußballzwerg her. Es winkten Großaufträge, und das bei profitablen Arbeitsbedingungen. Laut dem einstigen FIFA-Präsidenten Blatter empfahlen auch Regierungschefs, aus wirtschaftlichen Interessen für Katar zu stimmen. Ihrerseits pflegte die aufsteigende Golfmonarchie dank Großinvestitionen beste Kontakte zu Lichtgestalten aus Fußball, Wirtschaft und Politik. Zudem griff man zu bewährten Mitteln der Korruption, Sonderkonditionen beim Erdgas inklusive. Selbst FIFA-Kreise sprachen von einer "gekauften WM". Was die Verheißung trübt, mit dem Fußballfest in einer krisengeschüttelten Region "die Kulturen verbinden" zu wollen: der Vorwurf, auf diversen Kriegsschauplätzen Dschihadisten zu unterstützen. Das Buch schließt mit Vorschlägen, wie die FIFA an die Leine zu nehmen ist - im Sinne friedenspolitischer und demokratischer Kontrolle sowie eines universellen Spiels jenseits ungehemmter Vermarktungsinteressen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2018
Wolfgang Freund scheint ein echter Kenner des Emirats Katar zu sein, nicht nur über die dortigen "Mentalintegristen" weiß er bestens Bescheid, auch über ihre Frauen: "Schwarze Wüstengespenster auf trippelnden Füßen" nennt er sie allen Ernstes, "und entsprechend schwarz-weiß gepinselt funktioniert ihr geschlechtsspezifisch interaktives Denken und Handeln". Oder hat er das aus Glenn Jägers Band? Diese "Fallstudie" findet Freund jedenfalls brillant, flüssig geschrieben und quellenmäßig gut abgesichert. Er erfährt in dem Buch des Sozialwissenschaftlers zum Beispiel, wie Katar
sich gerade "globalstrategisch" eine Fußball-Nationalmannschaft erster
Sahne zusammenkauft. Den Vorschlag des Autors, die Fifa sollte den Vereinten Nationen eingegliedert werden und unter internationale Kontrolle kommen, damit dem "weltweit agierenden Korruptionskontinuum" ein Ende gemacht wird, findet er diskussionswürdig.
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