Trotz der Teilung verloren sich die entstehenden zwei deutschen Gesellschaften nicht aus den Augen. Das Bewusstsein blieb, Teil desselben Landes zu sein, ungeachtet der unterschiedlichen Entwicklungswege. Mit dem Blick auf Klassenstrukturen, Geschlechterbeziehungen, Familie, Kindheit und Jugend, Konsumoptionen und die Entstehung von zivilgesellschaftlichen Bewegungen rückt Gunilla Budde Parallelen und Berührungspunkte in den Fokus. Bei allem Bemühen, sich als ein Teil Deutschlands selbst zu genügen und sich vom anderen zu distanzieren: Als Referenz- und Konkurrenzrahmen war man sich stets nah. Neben sozialen und strukturellen Entwicklungen gilt das Interesse in diesem Band auch den persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2023
Rezensentin Isabell Trommer erfährt aus dem Buch der Historikerin Gunilla Budde Wissenswertes über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden deutschen Staaten beim Umgang mit Friedens- und Umweltthemen, Bildung, Familie, Emanzipation und Konsum. Was hüben wie drüben zwischen 1949 und 1989 dazu gedacht und diskutiert wurde, untersucht die Studie laut Trommer sozial- und kulturhistorisch, indem sie etwa den Aktivitäten der Umweltbibliothek in der Zionskirche in Berlin-Mitte nachspürt. Das Buch ist für Trommer keine Gesamtdarstellung, sondern ein Überblickswerk, das einzelne Aspekte beleuchtet und vergleicht. Besonders beim Thema Familienpolitik kann Budde die Rezensentin mit einer konzisen Übersicht über Reformen, Gesetze und gesellschaftliche Wirklichkeiten in beiden Teilen Deutschlands überzeugen.
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