György Konrad

Das Buch Kalligaro

Cover: Das Buch Kalligaro
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518418833
Gebunden, 285 Seiten, 22,80 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke. Wer ist Kalligaro? Ein Flaneur, ein Betrachter, ein Liebhaber seiner Stadt (Budapest), ein Freund ganz bestimmter Cafes und des Kognaks, ein Mann der Frauen. Ein höchst sonderbares, zwiespältiges Individuum; in der Provinz, der er entstammt, ebenso beheimatet wie in der Großstadt; ein Eremit; ein Erleidender historischer Verläufe. Krieg, Judenverfolgung, Diktatur und Reformdiktatur bringt er ebenso hinter sich wie die Wende zur Demokratie. Darin zugleich aber ein Handelnder: Dissident, Stadtplaner, Politiker, Dichter, Wortführer, Präsident verschiedener Akademien; ein Reisender zwischen New York, Berlin und Kyoto. Kurzum: In der Gestalt des Herrn Kalligaro begegnen wir einer neuen Spiegelung des György Konrad und seines Lebensweges. Aber anders als die linear erzählten Lebensläufe, die uns aus anderen Werken Konrads vertraut sind, splittert sich die neue Lebensgeschichte in einen Kosmos von mehr als 200 kurzen Erzählungen, Beobachtungen, Reflexionen, und so ist dieses Buch vieles zugleich: eine mosaikartig sich zusammensetzende Autobiografie, ein artistischer Selbstversuch, ein Aphorismenschatz, ein Vademecum der stoischen Lebenskunst; eine Zeitreise zwischen Gestern und Morgen, ein Geschichts- und Geschichtenbuch des 20. Jahrhunderts; ein Buch der Epiphanien, eine musikalische Komposition.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2007

Sein Selbstbild betreffend unterstellt Judith Leister dem ungarischen Autor einen gewissen Hang zum Destruktiven. Dass György Konrad die Rolle des Vorzeigedissidenten nicht spielen will, kann sie ihm jedoch nicht verübeln. Einfach zu "bestechend" findet Leister seine im dritten Teil der Biografie an den Tag gelegte Ehrlichkeit. Was ihr die achronologische "Revue" der über 200 Prosaskizzen, aus denen der Band besteht, verdeutlicht - die "innere Zerrissenheit" des Autors zwischen Privatem und Politischem -, hat nur manchmal einen Leister missfallenden Zug ins Larmoyante.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.09.2007

György Konrads Lebensfreude, die weder durch seine Bedrohung als Jude durch Auschwitz noch durch das kommunistische Ungarn für einen Intellektuellen geschmälert werden konnte, speist sich aus einem gerüttelten Maß Selbstzufriedenheit, stellt Jörg Magenau bei der Lektüre von dessen Lebenserinnerungen fest. Dass Konrad von sich als "Kalligaro" schreibt, lässt sich nicht etwas als Signum der "Bescheidenheit" lesen, sondern vielmehr als literarisches Instrument, sich noch ein bisschen mehr ins Licht zu stellen, meint der Rezensent, der zu finden scheint, dass Konrad mitunter doch etwas viel und allzu gern von sich selber redet und offenbar nicht müde wird herauszustellen, was für ein "toller Typ" er ist. Trotzdem, die schonungslose Schilderung des Sterbens seiner Mutter oder der Besuch von Auschwitz mit einem Freund findet Magenau schon sehr beeindruckend, und Konrads Beschreibung einer an ihm vorgenommenen Zahnoperation imponiert ihm als "praktizierter Stoizismus".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2007

Ein Buch voller Lebensfülle und Lebensfreude sieht Rezensentin Ilma Rakusa in dieser etwas anderen Autobiografie des ungarischen Schriftstellers György Konrad. Im Unterschied zu seinen autobiografischen Werken "Glück" und "Sonnenfinsternis am Berg", die auf Rakusa wie Geschichtslektionen wirkten, fällt "Das Buch Kalligaro" zu ihrer Freude wesentlich lässiger aus. Sie beschreibt das Buch als lockeren Lebensabriss in 219 knappen, episodischen Kapiteln, ohne strenge Chronologie, dafür aber "weise und heiter, poetisch und detailgenau". Besonders gefällt der entspannte Tonfall, der sich auch aus der "Distanz des Alters" ergibt, mit der Konrad hier über sein Leben beziehungsweise das seines Alter Ego namens Kalligaro berichtet und seine Erinnerungen an politische wie private Erfahrungen Revue passieren lässt: neben den Ereignissen von 1956 und des Besuchs in Auschwitz/Birkenau stehen Momentaufnahmen familiären Glücks, des Schreiballtag und ausgedehnter Spaziergänge. Die Rezensentin sieht Narration und Reflexion hier "unauflöslich verwoben", wobei die Selbstbetrachtung ihrer Ansicht nach überwiegt.
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