Hans-Gerd Koch

Kafkas Familie

Ein Fotoalbum
Cover: Kafkas Familie
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783803137388
Gebunden, 208 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Franz Kafka, der "rätselhafte" Autor, hat die meiste Zeit seines Lebens bei seiner Familie gewohnt. Die Bindung war stärker, als er es sich und uns einzureden versuchte. Im "großen Lärm" der Familie entstanden seine Texte. Seine Beziehung zu den Schwestern, besonders zu Ottla, war sehr eng, als besorgter Onkel machte er sich Gedanken über die richtige Erziehung seines Neffen und seiner Nichten. Die von den Nachkommen der Schwestern aufbewahrten Fotos dokumentieren nicht nur das Familienleben, sondern erzählen auch vom sozialen Aufstieg einer jüdischen Familie aus einfachen ländlichen Verhältnissen zum Prager Bürgertum. War der Großvater noch Dorfschächter in Wossek, wurde der Vater vom Hausierer zum angesehenen Kaufmann mit Geschäft in bester Lage und der Sohn zum promovierten und weltläufigen Juristen, der als Autor in der intellektuellen Gesellschaft der Moldaustadt verkehrte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.12.2024

Eigentlich hat Kafka mal geschrieben, "Verwandtengefühl kenne ich nicht", dass das aber vielleicht nicht ganz absolut gemeint war, lernt Rezensentin Wiebke Porombka in dem vom Literaturwissenschaftler und Kafka-Experten herausgegebenen Buch: Es enthält wenige bekannte und viele unbekannte Fotos des Prager Schriftstellers, die aus dem Nachlass seiner Schwestern stammen und ihn beispielsweise am Strand von Venedig zeigen. Besonders gefällt ihr, wie Koch die Fotos mit Briefen in Verbindung bringt, etwa ein berühmtes Kinderporträt mit einer Nachricht an die Verlobte Felice Bauer, in der Kafka sein "böses Gesicht" als "geheimen Ernst" bezeichnet. Aber auch die Ambivalenz der Beziehung zum Vater wird Porombka deutlich. Sie empfiehlt die Lektüre im Familienkreis an den Feiertagen, auch um einen Zugang zu diesem hermetischen Schriftsteller zu finden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2024

Auch wenn Fotos immer nur bedingt etwas über die Abgebildeten aussagen, ist Rezensent Marc Hoch froh, dass sich der Herausgeber Hans-Gerd Koch zum hundertsten Jubiläum von Franz Kafkas Tod die Mühe gemacht hat, den Familienbildern Tagebucheinträge sowie Briefe gegenüberzustellen. Die "Illusion eines Idylls" könnte durchaus aufkommen, schaut man auf die Fotos des vierjährigen Franz, seines Vaters Hermann und der drei Schwestern. Wenn Kafka dann aber in einem Brief an den Freund Max Brod kundtut, er "hasse sie alle der Reihe nach", wird deutlich, dass das ein Trugbild ist, so Hoch. Sowohl der Jähzorn des Vaters als auch die Liebe der jüngsten Schwester Ottla werden ihm dabei deutlich und verknüpfen sich mit Erzählungen wie der "Strafkolonie", konstatiert er.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2024

Rezensent Paul Jandl sieht sich satt in dem von Gerd Koch zusammengestellten Fotoalbum zur Ausstellung in der Berliner Staatsbibliothek. Versammelt sind laut Jandl hier wie dort Fotos aus dem Familienalbum der Kafkas, die Kafkas Horror vor der Familie erahnen lassen, allein durch die Tatsache, dass er kaum je im Kreis der Familie abgelichtet erscheint. Dafür schaut Jandl Bilder mit Kafka am Strand oder vor Studiokulisse, auf Porträtaufnahmen und Schnappschüssen, mal winzig klein, dann wie mit visionärem Blick. Der Rezensent meint, Kafka authentisch als Ganzes zu erfassen, auch wenn die Schau selbst "nah am Sentimentalen" gebaut ist, wie er vermerkt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.02.2024

Schön blättert es sich in Hans-Gerd Kochs Fotobuch über Kafka, meint Rezensent Arno Widmann, vor allem, wenn man noch nicht alles über Kafka weiß und Kafkas Werke sowie Reiner Stachs Kafka-Biografie zur Hand hat, die einem die Bilder näher erläutern. Denn Koch selbst gibt den insgesamt 132 Fotos nur kurze Kafka-Zitate bei, bedauert Widmann. Immerhin lernt er einiges darüber, wie eng bei Kafka das Werk mit seiner Familiengeschichte verstrickt ist. Regelrechte Familienaufstellungen sind das bisweilen, so der amüsierte Rezensent, der hier auch zum ersten Mal erkennt, dass Kafka über 1,80 Meter groß war. Und lernt, dass man Kafka - wie jedem Künstler - besser nicht jedes Wort glaubt. Wusste er doch sehr genau, welches Bild von sich er schaffen wollte.

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