In seinen Poetikvorlesungen, die er im Januar und Februar 2000 in Frankfurt gehalten hat, untersucht Hans-Ulrich Treichel exemplarisch am eigenen Fall das Werden eines Autors: wie das Leben, ob in der westfälischen Provinz, in Berlin oder in Rom und auf Reisen, den Autor gleichsam entwirft und zu dem macht, was er heute ist: Schriftsteller und damit immer auch Finder und Erfinder der eigenen Biografie. In fünf Anläufen präsentiert sich einer in seinen ersten zaghaften Anfängen genauso wie im Erfolg, den er, Hans Ulrich Treichel, weltweit mit dem "Verlorenen" (und jüngst auch mit "Tristanakkord") gehabt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2000
Zwiespältig äußert sich Sebastian Domsch über diesen Band. Zunächst zeigt er sich erstaunt darüber, dass hier kaum "Handwerkliches" geboten wird, und das, obwohl Treichel doch Dozent in Leipzig für die "Kunst des Schreibens" ist. Stattdessen erfahre man viel über Treichels Biografie und darüber, was ihn zum Schreiben gebracht hat. Das ist vor allem Defizit, Leere, Langeweile, wobei sich das Defizit vor allem auf die Tatsache bezieht, dass Treichel als Flüchtlingskind "von jeder Vergangenheit abgeschnitten" war. Die Konzentration auf Biografisches hat nach Domsch jedoch auch Nachteile. Denn Treichels Roman "Tristanakkord", der nicht mit Biografischem zu fassen ist, kommt daher in diesen Vorlesungen nicht vor. Bedauerlich findet Domsch dies, allerdings bewertet er die Vorlesungen insgesamt als "auf unterhaltsame Art belehrend".
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