Heere Heeresma

Ein Junge aus Amsterdam

Erzählung
Cover: Ein Junge aus Amsterdam
Ammann Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783250601036
Gebunden, 152 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Marianne Holberg. Eine der schönsten Städte Europas: Amsterdam im Ausnahmezustand. Es ist der zweite Weltkrieg, die Stadt unter deutscher Besatzung. Der kleine Junge lernt ein neues Gefühl kennen, eine Mischung aus Angst, Spannung und Sensation. Täglich wieder verschwindet einer seiner jüdischen Freundinnen und Freunde, und niemand scheint zu wissen warum und wohin. Nur sein Vater, der weiß viel, und muss es doch dem Jungen verschweigen. Der Vater hat als Theologe ein besonderes Interesse an jüdischer Religion und Gebräuchen, ein ständiges Thema in der Familie. Und sie lebt es auch, aufgehoben im damals hochmodernen und "glücklichen" Quartier Amsterdam-Süd, wo Juden und Nicht-Juden friedlich miteinander auskamen. Mit der Besatzung endet dieser Friede abrupt. Der Judenstern wird eingeführt, Juden werden versteckt, auch im Elternhaus. Der Junge hat viel Verantwortung zu tragen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2008

Als "bis zur letzten Seite beeindruckend" feiert Rezensent Martin Zingg dieses "meisterhafte Buch", das "ohne jede Larmoyanz und ohne pädagogisches Händeringen" die "langsam einkehrende Normalität" des nationalsozialistischen Schreckens im von den deutschen besetzten Holland beschreibe. Wie eine Sonde schicke der Autor seinen jugendlichen Protagonisten durch das Amsterdam jener Jahre, lasse ihn protokollieren, wie die Stadt, in der Juden und Christen bislang friedlich miteinander gelebt hätten, langsam zu einem kalten, gefährlichen Ort werde. Wie plötzlich Geld auf das Denunzieren von Juden ausgesetzt werde und die vertrauten Namen mancher Familie von Klassenkameraden plötzlich von den Klingelschildern verschwänden. Gerade die Tatsache, dass hier weder an die Rührung noch an die Moral appelliert werde, macht die Schilderung der Geschichte des jugendlichen Helden für Zingg so exemplarisch und bewegend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2008

Höchst beeindruckt zeigt sich Jochen Schimmang von diesem ersten auf Deutsch vorliegenden Teil von Heere Heeresmas Kindheitserinnerungen an die Zeit der deutschen Besetzung Amsterdams. Pathos begegnet Schimmang auf diesen Seiten selten. Dafür bieten sie ihm eine Genauigkeit und sprachliche Qualität, die weit über den üblichen Plauderton von Memoiren hinausweisen und ihm das Unfassbare "etwas begreiflicher" machen. Dementsprechend hoch bewertet Schimmang die Beschreibungen des Absterbens (jüdischen) Stadtlebens. Betreffend ihre Literarizität vergleicht er sie mit den Büchern Primo Levis. "Eine Spur hoffnungsvoller" erscheinen sie ihm allerdings.

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