Kein Geld Kein Glück Kein Sprit

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN
9783498007683
Gebunden, 192 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Heinz Strunk lädt uns wieder ein in eine Welt, in der es viel zu staunen und zu lachen gibt, obwohl sie im Großen und Ganzen voller Schmerz und Schauer ist. Berichtet wird von ganz schön merkwürdigen Krankheiten, beunruhigenden Vorgängen im Nachbarhaus der Vorortsiedlung, es werden abgrundtief elende Familiengeschichten und Paartragödien erzählt. Versammelte Haushaltsroboter wohnen andächtig einem Puppentheater bei, eine Frau möchte sich nur die Nase richten lassen und gerät an den ganz falschen Schönheitschirurgen, und am Fischbuffet im Luxusresort in Maspalomas ziehen in der Nebensaison Rentnerpaare gegeneinander in den Krieg. Die Welt von Heinz Strunk wirkt düster und fremd, obwohl oder weil sie mit jeder Faser mit unserer eigenen Realität verbunden ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2025
Rezensent Bernhard Heckler, bekennender Short Story-Junkie und Strunk-Fan, beäugt die neuen Kürzestgeschichten von Heinz Strunk zunächst vorsichtig kritisch. Der enorme Output des Autors macht ihn einfach skeptisch, und Strunks letzter Roman hat Heckler ein bisschen enttäuscht. Aber was muss Heckler feststellen, auf der Kurzstrecke gelangt Strunk zu Höchstform! Heckler muss sogar weinen vor Lachen, wenn Strunk seine situativ angespannten Geschichten auf die immer entsetzliche Spitze treibt: Ein Schluckauf führt beinahe zum Selbstmord, ein weggegaunerter Sitzplatz in die Katastrophe. Für Heckler ist der Band übrigens der Beweis (Wink an die Verlger!), dass Kurzgeschichten gut gehen, sogar besser als manch aufgeblasener Roman.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 09.08.2025
Rezensentin Wiebke Porombka schätzt Heinz Strunk für dessen "Einblicke ins mittelmäßige bis erbärmliche Leben". Das erfüllt er auch in seinem neuen Erzählungsband, aus dem sie ausführlich berichtet. Wieder sind es die vom Leben Benachteiligten, von denen er hier erzählt, Sonja zum Beispiel, die Protagonistin einer der Geschichten, hat weder Mann noch Kind und auch ansonsten keine Perspektive mehr, aber dass nun auch noch ihr Dauerschluckauf abhanden kommt, gibt ihr den Rest, schildert Porombka. Eine andere Frau klaut in Panik um ihr Weihnachtsessen Zitronen vom Menschen, dessen Einkäufe auf dem Kassenband vor ihr liegen, das einzige Talent eines Mannes besteht darin, dass er dem Briefkasten ansieht, ob darin Post auf ihn wartet. Porombka lobt, dass Strunk hier realistisch und mit genauem Blick von diesen etwas traurigen Leben erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2025
Mit seinem neuen Erzählband liefert Heinz Strunk, was man von ihm erwarten darf: "kein Geld, kein Glück, kein Sprit" - und dafür literarische Mangelanzeigen auf höchstem Niveau, freut sich Rezensent Edo Reents. In 36 Geschichten voller "Elend, greller Typen und schmerzhafter Körperlichkeit" seziert er das menschliche Dasein zwischen Verfall, Entwürdigung und zynischer Selbsthilfe. Der Kritiker hebt Strunks Virtuosität hervor, gerade in der Beobachtung von Monströsem und Marginalisiertem - dabei stets ohne beschönigende Linderung oder ästhetisierende Geste. Was als Groteske beginnt, wird oft zur erschütternden Tragödie. Vielleicht nicht geeignet für zart Besaitete, aber: große Literatur, lobt der glückselige Kritiker. Reents plädiert sogar - halb ernst, halb augenzwinkernd - für den Büchner-Preis.