Karasek macht den Versuch, dem Alter die Altersmilde zu nehmen, und zeigt in autobiografischen und generationsbiografischen Geschichten, dass das Leben komisch ist, gerade dann, wenn das Lachen bestenfalls sardonisch sein kann. Er erzählt von der Liebe und der Erinnerung daran, von der Wohltat und dem Schrecken des Vergessens und von der Zukunft. Wer alt wird, hat Glück, schon allein weil er erlebt und erkennt, welches Unglück das Alter ist: Ein Fluch, den man zum Segen erklären muss; nichts anderes bleibt einem übrig. Wie will man auch unabwendbarem Verfall und unaufhaltsamer Zerstörung anders begegnen als mit Trotz? Oder ist der glücklicher, dem das Alter erspart bleibt? Und was ist mit den Jungen, denen eine stetig wachsende Zahl von Alten im Weg steht?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2007
Eine Mischung aus Mitleid und Sarkasmus spricht aus Andreas Dorschels Besprechung von Helmuth Karaseks "Altersbuch". Den Geschichten eines Alternden übers Älterwerden heften seiner Ansicht nach etwas Resignatives, Deprimierendes, aber auch stark Selbstbezügliches und Kalauerndes an. Literarisch scheint Dorschel das ganze nicht wirklich ernst zu nehmen. Allerdings weiß er das Buch als "anrührendes" Dokument zu schätzen. Es dokumentiert nämlich für ihn die "bis zum Herrenwitz forcierte Verzweiflung dessen, der den Gedanken nicht aushält, seine Zeit sei vorbei."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2006
Schon der Titel lässt erahnen, woran dieses Buch über das Älterwerden krankt, bemerkt Rezensentin Felicitas von Lovenberg. Hellmuth Karasek tue sich schwer, die Dinge beim Namen zu nennen, und ergehe sich wortreich in Erlebnisschilderungen, die letztlich den Kern der Überlegung "verwässern". Und vor allem stelle er seine - als bekannt vorausgesetzte - Person dermaßen ins Zentrum der Erzählung, moniert Lovenberg, dass man meinen könne, es mit einer Autobiografie zu tun zu haben, hätte Karasek nicht bereits eine geschrieben. Zwar gelingen dem begabten Erzähler Karasek "pointierte" Sätze und Skizzen, von denen sich der ältere Leser ertappt und der jüngere erheitert fühlt, aber insgesamt ereilt die Rezensentin ein Eindruck der Torschlusspanik. "Süßer Vogel Jugend" ist für sie das larmoyante "Sehnsuchtsdrama" des alten Mannes.
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