1915 kommt ein Zwillingspaar zur Welt, das gegensätzlicher nicht sein könnte: Max und Karl sind zeit ihres Lebens Kontrahenten und bleiben doch eng verbunden. Als es ihnen im Deutschland der dreißiger Jahre zu eng wird, fliehen sie mit der Prostituierten Ellie nach Frankreich. Als Illegale suchen sie in Paris ihr Glück - und finden das Leben. Zwischen liebeshungrigen Hoteliers und schach spielenden Buchhändlern, zwischen Mordanschlägen und Affären geraten die drei in einen rasenden Reigen, der sie schwindelig werden lässt. Dass Karl aufbricht, um im Spanischen Bürgerkrieg für eine bessere Welt zu kämpfen, macht die Lage nicht einfacher. Helmut Kraussers neuer Roman verflicht die Erschütterungen der 1930er Jahre mit den turbulenten Lebensläufen dreier Menschen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2012
Mit gemischten Gefühlen hat Rezensent Ulrich Rüdenauer Helmut Kraussers neuen Roman "Nicht ganz schlechte Menschen" gelesen. Er folgt hier den im Ersten Weltkrieg geborenen Zwillingen Karl und Max, die ihm als Reinkarnationen von Marx und Nietzsche erscheinen. Während der dionysische und libertinäre Max im Paris der Dreißiger Jahre sein Glück als Schriftsteller versucht, sich vor allem aber dem Geschlechtsleben hingibt, erlebt der apollinische und politisch dogmatische Karl als Schachspieler bei der Volksolympiade in Barcelona den spanischen Bürgerkrieg, berichtet Rüdenauer. Der Rezensent hat sich mit Kraussers überraschungsreicher und humorvoller Erzählung zwar bestens amüsiert, dennoch erscheint ihm dieses wenig "subtile" Buch als "Historienschinken im Breitbandformat". Neben den allzu klischeehaften Charakterisierungen der zahlreichen hier auftretenden Schriftsteller, etwa Thomas Mann oder Gottfried Benn, stören Rüdenauer die vielen, ihm platt erscheinenden historischen Erläuterungen, mit denen Krausser seine Geschichte immer wieder unterbricht. Nicht als bedeutenden Roman, aber doch als unterhaltsame "Hommage an die Literatur der Zwanziger und Dreißiger Jahre" kann der Kritiker dieses heitere Buch dennoch empfehlen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2012
Nicht so recht überzeugen kann Wiebke Porombka der neue Roman von Helmut Krausser, von dem sie sich offenbar mehr erwartet hatte. Ausgehend von geschichtlichen Fakten und mit teilweise historischen Figuren erzählt "Nicht ganz schlechte Menschen" die Geschichte zweier ungleicher Zwillingsbrüder in den Goldenen Zwanzigern in Berlin: des Bohemiens Max, der zunächst dem Nationalsozialismus zugewandt, und des politisch engagierten Kommunisten Karl. Doch die Schilderung rutsche hier ins Kolportagehafte und bedient dort "ebenso unbedarft wie ungebrochen" sämtliche Klischees, bemängelt Porombka. Ist es parodistisch gemeint? Oder womöglich unfreiwillig komisch? Die Rezensentin ist desorientiert: "Immer wieder weiß man in diesem Roman nicht, wer eigentlich gerade spricht." Flankiert werde die Handlung von kursiv gedruckten geschichtlichen Abrissen, deren Natur sich der Rezensentin ebenfalls nicht so recht erschließen mag.
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