In seinen Essays umkreist Henning Ziebritzki die Frage, was poetisch ist. Seine Erzählungen und Reflexionen erkunden das Poetische im Wechsel der Buchstaben, im Andrang von Bildern und in Begegnungen. Sie finden es in Stimmen, in der Erinnerung und in den Orten, die Gedichten eingeschrieben sind, aber auch in der Abwehr des Antipoetischen. Der Blick in die eigene Geschichte und Landschaften verbindet sich jeweils mit Deutungen von Gedichten und Prosa sowie den Erfahrungskomplexen und Lebensgrafiken, die in ihnen sichtbar werden. Immer erweist sich die Sprache der Poesie als Gestalt einer poetisch erlebten Zeit - bei Anja Zag Golob und Eduard Mörike, bei Ernst Jünger und Amy Clampitt, bei Dolores Battroll und Ted Hughes, Peter Huchel und Thomas Kling. Ein Essay erprobt das aktuell Poetische anhand zweier Werke aus dem 17. Jahrhundert, einem Bild von Pieter Holsteijn dem Jüngeren und einem Gedicht von Heinrich Albert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.02.2024
Rezensent Eberhard Geisler ist ziemlich begeistert von den Essays über Poesie von Henning Ziebritzki. Ziebritzkis poetologische Reflexionen sind eingebunden in konkret lebengeschichtliche Situationen, wie Reise und Familie - Geisler denkt hier an André Breton, der die Wichtigkeit der subjektiven Betrachtung für die Kunst betonte. Weiter geht es zur Poesie und zu ganz bestimmten Dichtern und Dichterinnen und ihren Arbeiten, Mörike, Mayröcker, Golob, Kling, Jünger usw. All das findet das Wohlgefallen des Rezensenten, der gar anmerkt, so "rühmend und luzide" wie hier habe noch keiner über Ernst Jünger geschrieben.
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