Das Buch soll dem europäischen Publikum eine wichtige Epoche der koreanischen Geschichte vorstellen. Schmerzliche Umbrüche kennzeichnen diese Epoche, in der das Leben der Einzelnen besonderen Gefährdungen ausgesetzt war. Die letzte Königsdynastie Koreas vom alten Geschlecht der Yi ging nach 518-jährigem Bestehen inmitten des Imperialismus am 29. August 1910 zugrunde. Japan annektierte Korea als Kolonie, schaffte die koreanische Monarchie ab und nahm dem Land seine Unabhängigkeit. Erst 35 Jahre später erlangte Korea die Selbständigkeit wieder. Im Strudel des Untergangs der Dynastie war den einzelnen Mitgliedern der koreanischen Königsfamilie ein je eigenes tragisches Schicksal beschieden. Kolonialgeschichten sind, wie überall, so auch in Korea, Geschichten von Demütigung, Vereinnahmung, Mord und Wahnsinn. Alle Daten und alle handelnden Personen in der Erzählung sind historisch verbürgt, ebenso die als solche gekennzeichneten Zitate. Dies erlaubt es, möglichst nah am historischen Geschehen zu bleiben. Um die Figuren mit Leben zu erfüllen, wird so ergänzt, wie es sich hätte zutragen können. Viel Fiktion war jedoch nicht nötig, da die Geschichte selber mehr als genug an Buntheit und Tragik mit sich führt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2011
Den "Zorn und Eifer", mit dem die schweizerisch-koreanische Publizistin Hoo Nam Seelmann dieses Buch geschrieben hat, kann Rezensent Ludger Lütkehaus gut verstehen. In "Lautloses Weinen" erzählt sie am Beispiel des letzten koreanischen Kronprinzen Yi Un die Geschichte des Untergangs des koreanischen Königshauses der Yi, die eng mit der grausamen Annexion Koreas durch Japan verbunden ist. Berichte über die brutale Ausbeutung der koreanischen Zwangsarbeiter oder die in japanischen Armeebordellen arbeitenden "Trostfrauen" lassen den Kritiker verstört zurück. Zugleich bewundert er die Einfühlsamkeit, mit der Seelmann über die Gegenseite schreibt, etwa wenn sie ein Porträt der mit Yi Un verheirateten japanischen Prinzessin Masako zeichnet. Auch wenn sich der Rezensent einen etwas kritischeren Blick auf die Dynastiegeschichte der Yi und die aktuellen innerkoreanischen Konflikte gewünscht hätte, findet er, dass Seelmann ein "spannendes" Buch gelungen ist. Vor allem die "fiktionale Verlebendigung" der Geschichte, die dennoch authentisch und dokumentarisch bleibe, hat ihm gut gefallen.
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