Indridi G. Thorsteinsson

Taxi 79 ab Station

Roman
Cover: Taxi 79 ab Station
Transit Buchverlag, Berlin 2010
ISBN 9783887472474
Gebunden, 117 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Aus dem Isländischen von Betty Wahl. Reykjavik, Anfang der fünfziger Jahre: Ragnar, Taxifahrer, fährt einen betrunkenen amerikanischen Soldaten zu seinem Luftwaffenstützpunkt in Keflavik. Auf der Rückfahrt sieht er eine auffällig elegante Frau vor ihrem liegengebliebenen Buick stehen; er stoppt und bietet seine Hilfe an. Aus dieser Bekanntschaft entwickelt sich eine heftige Liebesbeziehung, die in Eifersucht und andere Turbulenzen gerät, als Ragnar von Gogos Ehemann und dazu noch von einem weiteren Liebhaber namens Bill, einem amerikanischen Soldaten, erfährt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.07.2011

Der Mann so traurig und ursprünglich, die Frau so traurig und schön - Rezensentin Jutta Person fühlt sich an einen alten Hollywoodfilm oder einen Hemingway-Roman erinnert, nur dass Indridi Thorsteinssons Held "schöner scheitert". Die Liebesgeschichte zwischen dem Taxifahrer Ragnar und der verheirateten Gogo spielt im Island der Fünziger. Die Stimmung der Zeit, der Aufbruch in die Moderne, der vor allem den in Reykjavik stationierten GIs zu verdanken ist, scheint Thorsteinsson sehr schön einzufangen: Die Isländer fühlen sich noch nicht ganz wohl damit, schwanken zwischen "Bewunderung und Misstrauen", wie Person schreibt. Und wenn die Personen auch ein wenig altmodisch anmuten, die Geschichte selbst ist immer aktuell. Verrückt vor Liebe kann man schließlich auch heute sein, meint Person. Ein dickes Kompliment geht auch an die Übersetzerin Betty Wahl.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2011

Isländische Literatur in bester ironischer Machart findet Martin Zähringer in Indridi G. Thorsteinssons Taxiroman vor dem Hintergrund amerikanischer Besatzungsmacht auf Island. Dass der Autor sich fröhlich bei Hemingways Dialogeregie oder dem Ton der amerikanischen Short Story bedient, um isländische Identitätsmomente (Natur- und Pferdeliebe!) neu zu arrangieren und so zu brechen, scheint Zähringer zu überzeugen. Laut Einschätzung des Rezensenten liegt das an Thorsteinssons Erfahrung mit dem Clash zwischen Stadt und Landleben und seiner Fähigkeit, weder allzu sozialkritisch noch rein fiktional vorzugehen. Für Zähringer gelingt die Liaison amerikanischer und isländischer Lebensweisen in diesem Buch, literarisch-ästhetisch wie inhaltlich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2011

Da zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit einer regelrechten Flut an isländischer Literatur zu rechnen ist, findet es Andreas Breitenstein sehr begrüßenswert, dass dieser kleine Roman von Indridi G. Thorsteinsson schon jetzt erscheint. So läuft die melancholische Geschichte um eine Liebe zwischen einem Taxifahrer und einer verheirateten Frau, die an Schuld und Betrug zerbricht, nicht Gefahr unterzugehen oder wegen Übersättigung des Lesepublikums an isländischer Literatur ignoriert zu werden, freut sich der Rezensent. Ihn fasziniert es, wie der Autor in seinem 1955 erschienenen, hoch gelobten Roman, der durch eine freizügige Verfilmung zusätzlich Aufmerksamkeit erregte, ein Island zwischen Tradition und Moderne zeichnet, dem er auch stilistisch Tribut zollt. Breitenstein zeigt sich hingerissen von Tempo und lakonisch-schlichtem Duktus der Geschichte, lobt die feinen psychologischen Beobachtungen und atmosphärisch dichten Beschreibungen des Autors und bejubelt die Publikation dieses isländischen Klassikers als "Glücksfall".
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