Aus dem Isländischen von Tina Flecken. "Ein Mann im Anorak hat heute Mittag an meine Tür geklopft." So beginnt Emil, wohnhaft in Reykjavik und soeben von einem Kurztrip nach London zurückgekehrt, die Geschichte über seine unheimliche Begegnung mit einem alten Bekannten. Oder besser: über eine Begegnung, die nicht stattfindet, weil Emil sich in seiner Wohnung versteckt, als Havardur, dem er unbedingt aus dem Weg gehen will, durchs Küchenfenster steigt, es sich gemütlich macht, Emils CDs auflegt, seine E-Mails liest, ans Telefon geht, dessen Freunde empfängt, kurz, sich benimmt, als wäre er in der fremden Wohnung zu Hause.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2006
Als "kleines Meisterwerk" feiert Rezensentin Marion Löhndorf diesen Roman, was wohl vor allem mit dem Talent des isländischen Autors zusammenhängt, dem Leser die "Merkwürdigkeiten" seiner Geschichte als "das Normalste der Welt zu verkaufen". Es geht um die skurrile Geschichte Emils, der sich vor einem ungebetenen Gast unsichtbar zu machen versucht, der sich dann in das auf diesem Wege freigewordene Leben und die dazugehörige Wohnung einnistet, während ihr eigentlicher Inhaber regungslos unter dem Bett verborgen liegt. Seinen Reiz gewinnt der Roman für die Rezensentin durch die Beschränkung der Erzählperspektive, denn der Mann unterm Bett kann das Geschehen in seiner Wohnung naturgemäß nur durch Geräusche rekonstruieren, wobei ihm Löhndorf zufolge zu Gute kommt, dass der ungebetene Gast zu Selbstgesprächen neigt. Im Verlauf des Romans erhellt der unterm Bett liegende Erzähler auch den Grund für seine phobische Reaktion auf den Besucher, bei der, wie wir lesen, auch drei getötete Haustiere eine Rolle spielen, und zwar ein Hamster, ein Meerschwein und ein Leguan.
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