Aus dem Griechischen übertragen von Michaela Prinzinger. Kyriakos Roussias, angesehener Genforscher in den USA, kehrt nach fast dreißig Jahren erstmals nach Kreta, an den Ort seiner Kindheit zurück, und steht damit unwissentlich in einer in der Familie langwährenden Tradition der Blutrache: Die Reihe ist an ihm, den Tod seines Vaters zu rächen. Von Amerika in die dörfliche kleine Gemeinschaft versetzt sieht sich der Wissenschaftler plötzlich mit diesem archaischen Ritual konfrontiert. Kann er sich diesem entziehen? Mit jedem Tag seines Aufenthalts wird ihm das ungeschriebenen Gesetz der Vendetta vertrauter, und als es zur Begegnung mit dem Mörder seines Vater kommt, muss er handeln...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2003
Weder der neue, zweite Roman der griechischen Schriftstellerin Ioanna Karystiani selbst, noch seine Übertragung ins Deutsche haben dem Rezensenten Jörg Plath auch nur ein Fünkchen Freude bereitet. Denn der Roman "strotze" geradezu vor "stilistischen Ungeschicklichkeiten und logischen Fehlern", dass selbst der "wohlwollendste Leser " abgeschreckt werde, grollt der Rezensent. "Schattenhochzeit" erzählt von der "Wiederkehr des Verdrängten und Tödlichen: der Blutrache", ja entpuppt sich als "anarchischer Familienzwist", schreibt Plath, doch eben auf so "hölzerne", "ermüdende" Art, dass dem Leser ein ungutes Gefühl bleibe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2003
Die Rezensentin Ursula Pia Jauch ist gespalten, was Ioanna Karystianis Roman betrifft. Die Geschichte dreht sich um den griechisch-stämmigen und in den USA ansässigen Biologie-Forscher Kyriakos Roussias, dessen Labor seine wohl kontrollierte Welt ist. Die Kälte des Labors, die jeglichen Zweifels entbehrende Kontrolle, all das wird über den Haufen geworfen, so die Rezensentin, als Roussias nach dreißig Jahren für eine kurze Zeit wieder in seine Heimat Kreta zurückkehrt und dort mit der "genealogischen Hitze" erbitterter Fehdemorde unter verfeindeten Familien konfrontiert wird. Die Rezensentin findet dieses Szenario doch recht einfach gestrickt, zumal die alles durchziehende Metapher des wirklichen Labors, nämlich das Labor des Lebens, ihr zu sichtbar und "allzu schwarzweiß schraffiert" erscheint. Gefallen hat der Rezensentin jedoch, wie Karystiani die - zeitlich und räumlich - verknäulten Verwandschaftsbeziehungen auch sprachlich verwebt, durch "wort- und geschichtenreiche" Umkreisungen. Auch die "brütende kretische Hitze" werde förmlich spürbar und scheine jeden "Ereignisfaden" zu versengen, während Personen und Geschichten schwindelerregend auftauchen und wieder verschwinden. Doch die Autorin betreibe dies bis zum "Exzess", so dass auch stillere Passagen im Wortschwall ertrinken.
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