Ob Impfpflicht, Abtreibungsverbot, Wehrdienst oder Cannabislegalisierung - ethische Fragen betreffen uns alle. Allgemeinwohl vor Eigeninteresse? Oder: Mein Körper, meine Entscheidung? Der Philosoph Jan Skudlarek erörtert die großen Streitfragen unserer Zeit, deckt gängige Irrtümer und falsche Argumentationen auf und entwirft so eine praktische Anleitung für solidarisches Handeln im Zeitalter der Krisen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2023
Rezensent Stephan Speicher wird nicht warm mit Jan Skudlareks Rundumschlag gegen Individualismus und Neoliberalismus. Wenn der Autor gegen Langduscher und Porschefahrer wettert, fehlen Speicher der ideengeschichtliche Hintergrund und eine Differenzierung, die auch auf den Familien- und Unternehmenseigennutz früherer Generationen schaut. Skudlareks moralisierender, belehrender Tonfall sagt Speicher ebenfalls nicht zu.
Für den Rezensenten Timm Lewerenz erfüllt Jan Skudlareks Buch über Freiheit seinen Zweck: Eine klar Position beziehende, ebenso "klar" geschriebene Absage an den "Porschefahrer-Liberalismus", wie Lewerenz den Berliner Philosophen zitiert - also an einen nur an eigener Nutzenmaximierung interessierten Freiheitsbegriff, der die Gemeinschaft aus den Augen verliert. Ob der von Skudlarek dabei angeführte "einstig stolze Liberalismus" der Vergangenheit wirklich so problemlos als Vorbild herangezogen werden könne, sei mal dahingestellt, so der Kritiker - notwendig und sinnvoll scheint es ihm ohnehin, wie Skudlarek sich für ein neues, stärker am Gemeinwohl orientiertes Freiheitsverständnis stark macht. Dass intellektuell etwas tiefergehende Verbindungen etwa zu Kierkegaard oder Sartre nur gelegentlich gestreut werden, findet der Kritiker völlig in Ordnung, denn neoliberale Überzeugungen gelte es "in der geistigen Liga zu schlagen, in der sie angetreten sind".
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