Aus dem Französischen von Tim Trzaskalik. Jacob Bernays (1820-1881) war ein Fremder in der deutschen akademischen Welt des 19. Jahrhunderts. Als früh im Talmud und in den klassischen Sprachen ausgebildetes Kind eines Hamburger Rabbiners erschien er vor der Revolution von 1848 wie ein Meteor an der preußischen Universität Bonn. Er studierte Klassische Philologie und Philosophie, die er historisch und kritisch zu erneuern verstand. Jedes seiner Bücher - von Aristoteles und der griechischen Antike bis zur Renaissance - wird von der Rekonstruktion einer historischen Situation beherrscht. Jean Bollack geht dem jeweiligen historischen Sinn der Bücher von Bernays nach.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.12.2009
Mit großer Kenntnis stellt uns Rezensent Jürgen Busche den Philologen Jacob Bernays vor, der für ihn den Rang eines Jacob Burckhardt beanspruchen darf. Die vorliegende Biografie des Celan-Spezialisten Jean Bollack unterscheidet sich laut Busche von biografischen Versuchen bei Theodor Gomperz und Ulrich von Wilamowitz durch die nunmehr programmatische Lesart von Bernays Leben von dessen Bekenntnis zum Judentum her. Dass Bernays so "fast in eine Art Oppositionsrolle" zu seinen deutschen Fachkollegen gerückt wird, dass Bollack ihn nicht als "Methodeneiferer" und "Herausgeberfürst", sondern als Mann der abgründigen, kleinen Studien zeigt, scheint Busche zu goutieren. Was Bernays politische Hoffnungen betreffend Preußen und Deutschland nach 1871 angeht, so wird das Buch für den Rezensenten zum Protokoll einer vergeblichen Hoffnung.
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