Am 11. September 2001 wurden mit terroristischer Überdeutlichkeit drei weit voneinander entfernt scheinende Sphären aufeinander bezogen: Im Namen Gottes wurde das hochsymbolische Zentrum des internationalen Geldverkehrs medientauglich in Schutt und Asche gelegt. Gott, Geld und Medien stehen aber nicht erst seit diesem Terrorakt in einem intimen Spannungsverhältnis zueinander. Die Studien von Jochen Hörisch gehen der Geschichte und der Tiefenstruktur theologischer, monetärer und medialer Grammatiken nach und vertiefen die Analysen, die in den Bänden "Brot und Wein - Die Poesie des Abendmahls", "Kopf oder Zahl - Die Poesie des Geldes" und "Ende der Vorstellung - Die Poesie der Medien" vorgestellt wurden. Ihr Befund ist frappant: Gott, Geld und Medien stehen deshalb in einem so scharfen Konkurrenzverhältnis zueinander, weil sie so viele Gemeinsamkeiten haben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2004
Aus Michael Schefczyks an der Oberfläche recht respektvoller Rezension spricht doch, mal mehr, mal weniger deutlich der Wille, die weit ausgreifenden Theorien des Autors etwas niedriger zu hängen, als dieser selbst es tut. Die Unterhaltsamkeit aber will und kann der Rezensent den anregenden Thesen, die Zusammenhänge herstellen, wo sie zuvor keiner gesehen hat, nicht absprechen. Als Leitmedien der Gegenwart versteht Hörisch "Hostie, Münze und CD-Rom" - und diese Reihung werfe schon das treffende Schlaglicht auf seine Methode: "Keine Erzählung über Ursachen und Wirkungen, 'allein die Ahnung' sonderbarer Zusammenklänge von Münze und Hostie fügt hier den Zusammenhang." Die Kehrseite der vom Autor angestrebten Kulturtheorie des Geldes zeige sich in seiner hochmütigen Verachtung alles Wirtschaftswissenschaftlichen. Dass, wer was vom Geld und seinen Funktionieren verstehen wolle, jetzt also Germanistik studieren müsse - das will, zu guter Letzt, Feindt dann doch ein wenig spanisch vorkommen.
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