Josef H. Reichholf

Die falschen Propheten

Unsere Lust an Katastrophen
Cover: Die falschen Propheten
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783803124425
Taschenbuch, 139 Seiten, 10,90 EUR

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Im Vergleich zu Björn Lomborgs Anti-Apokalypse-Buch findet Rezensent Reiner Klingholz Josef Reichholfs Band zwar "bescheiden und schmal", aber das bezieht sich nur auf seinen Umfang. Zunächst kläre Reichholf den Leser darüber auf, was sich überhaupt hinter dem wabernden Modebegriff "Ökologie" verberge, der erst mit dem Begriff des Ökosystems an Konsistenz gewonnen habe. Dass es die klar umrissenen Rahmenbedingungen eines Ökosystems in der Natur so nie geben kann, nehme Reichholf zum Anlass, die ganze Ökologiediskussion als Missverständnis darzustellen. Denn "Ökosysteme seien weder stabil noch belastet, noch gefährdet, sondern immer im Fluss". Doch da Reichholf es nicht bei einer Kritik der Klimahysterie belässt, sondern zum "Rundumschlag" ausholt, und den ganzen Naturschutz als Entgleisung darstellt, stößt er auf Kritik beim Rezensenten. Reichholfs predige "eine Art biologischen Fatalismus" und verkenne, dass es sich bei den aktuellen Dynamiken um "exponentielle Wachstumsprozesse" handele, denen man aus Gründen des "Menschenschutzes" entgegentreten müsse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002

Josef H. Reichholfs Buch über das Missverhältnis des Menschen zu seiner Umwelt hat Rezensent Hansjörg Küster im großen und ganzen überzeugt. So teilt er die Auffassung des Autors, dass Ökologie als Grundlagenfach verstanden werden muss, nicht als Prognosenwissenschaft oder als Mittel, um ideologische Ziele durchzusetzen. Reichholf gelingt es nach Ansicht Küsters, den Leser zum Nachdenken über Probleme anzuregen, die dringend einer Lösung harren. Allerdings merke man dem Buch an, dass es schnell, "vielleicht zu schnell" geschrieben worden sei. Manche Ungenauigkeit sowie eine bisweilen nicht ganz ausgewogene Darstellung sind die Folge, kritisiert Küster. Nichtsdestoweniger begrüßt er Reichholfs Buch ausdrücklich: "Wir sind mit Reichholfs Buch auf einem richtigen Weg. Es lohnt sich, ihn weiter zu gehen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.10.2002

Der Autor, Professor für Naturschutz, tritt an, ein paar der am tiefsten verwurzelten Mythen über die Natur zu widerlegen. Die Rezensentin Katharina Rutschky erklärt ihn sogleich zum Verbündeten in ihrem Kampf gegen den, wie sie es im Anschluss an Reichholf gerne nennt, "religiösen Ökologismus". Ein kollektiver Grundirrtum ist, als vielleicht wichtigstes Beispiel, die Idee vom "Gleichgewicht der Natur". Im Gegenteil ist die Natur, sagt Reichholf, in ständiger Bewegung - und zwar von Natur aus. Vermeintliche Treibhauseffekte sind aus diesem Grund wahrscheinlich nicht des Menschen Werk. Nichts anderes wünscht sich der Mensch - so nun wieder Rutschky - als die "Rückkehr ins Paradies", das die Erde freilich nie war, die Rückkehr an die Mutterbrust - und zu verdanken ist das, eigenwillige Schlussvolte der Rezensentin, alles Rousseau, der keine Mutter hatte.
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