Aus dem Ungarischen von Peter Scharfe. Der alte Musiker Jeno Kánya entlockt seiner Geige schöne Melodien, senkt dann den Hut, um ein paar Pengö einzusammeln und erträgt sein Schicksal mit Demut. Seine vier Kinder begehren gegen das Stillschweigen der Kányas, gegen ein Leben in Rückständigkeit auf und sind doch im Netz von Aberglauben, Träumen und Legenden gefangen. Erst der nächsten Generation gelingt es, sich aus dem Familienmythos zu befreien. Holdosi lässt sich in diesem Roman, den er als Fünfundzwanzigjähriger schrieb, von der Geschichte seiner Familie inspirieren und stellt das Leben der Roma zwischen 1920 und 1960 dar, das einerseits von Traditionen und Mythen, andererseits von der Forderung nach besseren Lebensbedingungen gekennzeichnet ist. Trotz der Isoliertheit der Roma am Rande eines ungarischen Dorfes gehen die historischen Ereignisse nicht spurlos vorüber.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2015
Magischen Realismus aus Europa entdeckt Karl-Markus Gauß in József Holdosis erstmals 1978 in Ungarn erschienenem Roman. Die vorliegende Neuauflage besticht für Gauss durch wilde Poesie und ein Nachwort von Beate Eder-Jordan, einer Spezialistin für Roma-Literatur. Das autobiografisch gefärbte Buch über Armut und Verfolgung und Gewalt, dessen Rasanz der Autor laut Gauß nicht durch Erklärungsversuche bremst, erzählt von einem ungarischen Dorf in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts und entwirft, so Gauß, in 43 Abschnitten zudem ein Panorama der ungarischer Geschichte. Die Kritik des Autors an den Verfolgungen der Roma und zugleich auch an den Roma selbst, ihrer Tradition der Gewalt, scheint dem Rezensenten bitter, doch nicht düster. Im Gegenteil, Holdosi, meint er, preist die Liebe und das Leben in farbenprächtiger Kunst.
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