Ole Bull (1810-1880) begann mit 23 in Bologna eine außergewöhnliche Karriere. Sein virtuoses Geigenspiel, gewagte Improvisationen und eigene Bravourstückchen verzauberten das Publikum. Der norwegische Geiger war so beliebt, dass sein Badewasser auf Flaschen gezogen und als Souvenir verkauft wurde. Auf dem Zenit seines Ruhmes erfüllte sich Ole Bull einen Traum: Er gründete einen eigenen Staat im Norden Pennsylvanias. 1852 siedelte er in seinem "Oleana" über 300 Familien an. Es sollte eine Kolonie der Freiheit und der Liebe sein, ein Utopia der gegenseitigen Achtung und Toleranz, ein Paradies für Künstler aller Sparten. Ihren Niedergang und endgültigen Zusammenbruch nach lediglich eineinhalb Jahren vermochte er nicht zu verhindern. Nach gründlicher Recherche in den USA und Norwegen rekonstruiert Jürgen Alberts den Aufstieg und Fall von "Oleana". Aus fiktiven Monologen und phantastischen Anekdoten entsteht ein mitreißender Roman über einen "romantischen Helden" des 19. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2000
Für Harald Eggebrecht hat der Mann mit dem in unseren Ohren bäuerlich-rustikal klingenden Namen Ole Bull "ein Leben wie drei Romane und mindestens vier Filme" geführt. Bull galt als der "Paganini des Nordens", beschreibt Eggebrecht den Virtuosen, der zugleich ein Förderer Ibsens und Edvard Griegs und damit der Begründer der norwegischen Nationalkultur war. Und ein Visionär beziehungsweise Spinner, der von seinem gescheffelten Geld Land in Pennsylvania kaufte und dort eine Kolonie gründen wollte, die jedoch kläglich scheiterte. Selbst der Ruin, so Eggebrecht, konnte dem Meister nichts anhaben. Er stieg auf die Cheops-Pryamide und spielt dort norwegische Nationalstücke. Für Eggebrecht ein faszinierendes Sujet, dem der Autor leider nicht gerecht wird. Der Autor entwickele keine Nähe zu seiner Hauptperson, klagt der Rezensent, finde "keinen spezifischen Erzählton", der das Charisma dieser Persönlichkeit und die Magie seines Geigenspiels einfangen könnte.
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