Der amerikanische Komponist Conlon Nancarrow wurde durch seine komplexen Kompositionen für Player Piano berühmt. In seinem mexikanischen Exil schrieb er eine höchst originelle und zugleich emotionale Musik, die - jenseits von Zwölftontechnik und Serialismus - zur Fortentwicklung der Musik im 20. Jahrhundert beitrug. Jürgen Hocker begleitete Nancarrow in dessen beiden letzten Lebensdekaden. Er berichtet über die künstlerischen Stationen des Komponisten Nancarrow und über dessen Persönlichkeit. Die CD zum Buch enthält z. T. unveröffentlichte Aufnahmen der Musik Nancarrows sowie musikhistorische Einspielungen für mechanische Klaviere. In ihrer Mischung aus musikwissenschaftlicher Arbeit und Biografie richtet sich die vorliegende Publikation sowohl an Wissenschaftler als auch an ein breites, an moderner Musik interessiertes Publikum.
Mit dem Buchautor teilt der Konrad Heidkamp eine große Bewunderung für den Klavierkomponisten Conlon Nancarrow. Der Rezensent lässt uns wissen, das Nancarrow 1937 als linker Intellektueller mit den Republikanern in Spanien gekämpft hat, nach seiner Rückkehr in die USA keinen Pass mehr bekam und sich dann in Mexiko, "dem Sammelpunkt für linke Künstler", einfand. Der Leser erfährt recht viel über das Leben des Musikers, wobei einen der Rezensent etwas im unklaren lässt, ob er all diese Information aus dem Buch entnommen hat. Einen "nichtklavierspielenden Klavierkomponisten" nennt er Nancarrow, weil er so scheu war, dass er fast nie vor Publikum spielte. Das Buch hat der Rezensent "schlendernd" gelesen, unter anderem weil er nebenbei von György Ligeti bis James Tenney auf Bekanntheiten der modernen Musikszene trifft. Dabei öffne sich auch die Welt des "Musikeinsiedlers" Nancarrow "bis in private Winkel seiner drei Ehen". Am Ende lüften sich aber nicht alle Geheimnisse von Narracow. Denn der Künstler bleibe von dem Buch "so freundlich bedeckt wie seine staubüberzogenen Bücher, die Notenblätter und Zeitschriftenstapel, diese sorgsam gepflegte Unordnung, die er in der Innenwelt seines Exils pflegte".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2002
Die ist ein Titel, findet Peter Niklas Wilson, der die Bescheidenheit des Autors ausdrückt. Tatsächlich hat der Rezensent in diesem Buch weder eine "umfassende Nancarrow-Biografie" gefunden noch eine "fundierte musikologische Analyse" seines Werkes. Dafür aber habe "der getreue Chronist", der selbst viele Jahre mit dem amerikanischen Komponisten zusammengearbeitet hat, so Wilson, "noch weit mehr geleistet". Er habe nämlich durch die Sammlung einer großen Zahl "biografischer Fakten" ein rundes, "detailscharfes Bild" entworfen, meint Wilson, das den selbstbewussten Einzelgänger der amerikanischen Musikszene und seine "Vision einer polytemporalen Musik" vorstellt. Die beiliegende CD biete, so der Rezensent, nicht nur einen guten Überblick über das Werk Nancarrows sondern auch "einige Preziosen aus den Pionierjahren des Selbstspielklaviers".
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