Aus der zerstörerischen Heimat flieht Eisler 1933 in die rettende Fremde, aus den USA vertreibt ihn 1948 das Committee on Un-American Activities, zurück in die zerstörte Heimat. Anziehung und Abstoßung vertauschen im Exil ihre Pole. In Hollywood komponiert er für die Filmindustrie und kritisiert sie zugleich in seinem Buch 'Komposition für den Film'; mit seiner Filmmusik ist er zwar erfolgreich, aber seine ernste Musik wird nicht beachtet; zeitweise verdient er gut, doch Schulden zehren immer wieder die Einkünfte auf. In seinen Liedern aus Hollywood beklagt er die Barbarei der Heimat und die Öde der Zuflucht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2014
Rezensent Daniel Ender führt uns erst einmal sachkundig in die vielen Widersprüche, die das Leben und Werk des Komponisten Hanns Eislers ausmachen, bevor er auf Horst Webers Buch über Eisler Jahre in Hollywood zu sprechen kommt. Weber schreibe sehr suggestiv, so dass sich sein Buch fast wie ein biografischer Roman läse - und als hätte der Autor mit Eisler unterm kalifornischen Ahornbaum gesessen, bemerkt der Rezensent. Doch nähere sich Weber seinem Gegenstand ebenso von der biografischen wie von der analytischen Seite und verschaffe seinem Leser tiefe Einblicke in Gehalt und Asthtik von Eislers Musik, lobt Enders. Sehr richtig findet er, dass Weber die dritte Klaviersonate von 1943 als wichtigstes Werk aus jener Epoche bewertet, auch wenn sie viel unbekannter sei als das berühmte "Hollywood Songbook".
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