Julian Barnes

Unbefugtes Betreten

Erzählungen
Cover: Unbefugtes Betreten
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2012
ISBN 9783462044805
Gebunden, 293 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Bodmer und Gertraude Krueger. Ob der frisch geschiedene Immobilienmakler Vernon nicht akzeptieren kann, dass seine Freundin ein Geheimnis hat, das sie nicht preisgeben möchte, ob Phil und Joanna über Sex, Krebs, die Wirtschaft oder Orangenmarmelade diskutieren, ob die Schriftstellerinnen Jane und Alice vor allem Eifersucht füreinander empfinden oder ein Garten Auslöser für eine Ehekrise wird - Julian Barnes legt die menschlichen Stärken und Schwächen, den Rhythmus, den das Leben hat, mit einem Blick für die alltäglichen Niederlagen und Siege bloß.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.11.2012

Kristina Maidt-Zinke freut sich sehr darüber, dass Julian Barnes' Kurzgeschichtensammlung "Pulse" jetzt auch ins Deutsche übersetzt wurde; "Unbefugtes Betreten" heißt das Buch hier. Die Rezensentin offenbart sich zunächst als Fan des "melancholischen Ironikers" und schreitet dann erst zur lobenden Tat. In "Unbefugtes Betreten" widmet sich der Autor Beziehungen in vielen Formen und mal mehr, mal weniger erbaulichen Zuständen, fasst Maidt-Zinke zusammen. Obwohl sie die Geschichten im zweiten Teil des Buches insgesamt besser gelungen findet, wo Barnes nacheinander die fünf Sinne in jeweils einer Geschichte mitinszeniert, hat sie besonders eine in der ersten Hälfte berührt: In "Beziehungsmuster" verarbeite Barnes den Verlust seiner Frau, Patricia Cavanagh, die 2008 an einem Hirntumor gestorben war. Die Rezensentin bewundert, wie diskret traumatische Ereignisse in Literatur zu übersetzen sind. Die Diskretion kann aber auch einfach die englische "emotionale Gehemmtheit" offenlegen, findet sie. Dass Barnes seinen Lesern inzwischen weniger harte Brocken vorlegt als noch mit "Flauberts Papagei", schiebt Maidt-Zinke auf die schriftstellerische Intelligenz des Autors und meint: "Die Zeiten haben sich geändert".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.10.2012

Die Erzählungen in Julian Barnes' "Unbefugtes Betreten" widmen sich vornehmlich dem Alltag des Paarlebens, berichtet die Rezensentin Stefana Sabin. Ob prüde-aufgeklärte "Babyboomer im Rentenalter" in "Bei Phil und Joanna" oder ältere Schriftstellerinnen in "Mit John Updike schlafen", der Grundtenor bleibe gleich, meint die Rezensentin: Es geht Barnes um das Befragen und Beschreiben des banalen Glücklichseins von Paaren. Dass Updike in einer der Geschichten auftaucht, findet die Rezensentin bezeichnend. Denn der Vergleich zwischen beiden Autoren bietet sich Sabin zufolge durchaus an, und Julian Barnes erweise sich dem Altmeister der "zeitgenössischen Paarliteratur" durchaus als ebenbürtig. Ein klein wenig fehlt Sabin der Biss. Zu einseitig wohlwollend blicke Barnes auf das bürgerliche Lebensprojekt, um seiner gelegentlichen Ironie ausreichend Kraft zu verleihen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Es geht um Tod und Trennung, um Verluste und Trauer und um den großen Widerpart, die Liebe in dieser Sammlung mit Erzählungen von Julian Barnes, stellt Rezensent Oliver Jungen fest. Allerdings, so Jungen, traktiert Barnes die Liebe mit allen möglichen Hindernissen. Er zeigt problematische Paarkonstellationen, plädiert nebenbei für das Geheimnis und das alles scharfsinnig, lebensklug, albern auch, immer unterhaltsam, wie der Rezensent versichert. Besonders beeindruckend für Jungen: Die Formenvielfalt in diesem Band. Von der kleistschen Novelle bis zum Partygespräch ist alles dabei. Für Jungen ein Zeichen wahrer Meisterschaft.
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