Karl Barths zweite, völlig neu geschriebene Fassung der Auslegung des Römerbriefs ist das Gründungsdokument der Dialektischen Theologie. Sie hat eine neue Epoche eingeleitet: eine Theologie in der Moderne. Hatte die erste Fassung von 1919 noch "durch das Historische hindurchsehen wollen in den Geist der Bibel", so will die 1922 geschriebene zweite Fassung konsequent "bis zu dem Punkt vorstoßen, wo ich nahezu nur noch vor dem Rätsel der Sache, nahezu nicht mehr vor dem Rätsel der historischen Urkunde als solcher stehe".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2011
Hocherfreut ist Bernhard Lang angesichts der kritischen Ausgabe des 1922 erschienenen Kommentars des Römerbriefs vom Schweizer Theologen Karl Barth. Barth wendet sich darin gegen die liberale Theologie, die Religion als Erkenntnisinstrument der göttlichen Offenbarung verstand. Barth dagegen vertritt in seinem Römerbrief-Kommentar den Standpunkt, dass der Offenbarungsvorgang grundsätzlich nicht beschrieben werden kann, fasst der Rezensent zusammen. Der Text ist nicht leicht zu lesen, nicht zuletzt, weil Barth häufig zeitgeschichtliche Anspielungen macht und seine Zitate nicht nachweist, findet Lang. Umso dankbarer ist er, dass die kritische Ausgabe nicht nur die Entstehungsgeschichte von Barths Kommentar eingehend darlegt, sondern in vielen Anmerkungen die für heutige Leser dunklen Stellen erläutert.
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