Karl Friedrich Borée

Ein Abschied

Roman
Cover: Ein Abschied
Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2019
ISBN 9783940357779
Gebunden, 184 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Mitte Januar 1945 steht das schon zerbombte Königsberg kurz davor, von russischen Truppen erobert zu werden. Marian Burgers Hoffnung mitten in der Vernichtung ist ein Neuanfang in Freiheit. Aber dieses Ziel liegt vielleicht unerreichbar in der Ferne. Der Irrsinn der Diktatur bleibt bedrohlich, seine Frau soll noch auf bestmögliche Weise aus der Stadt kommen, eine alte Freundin nicht hilflos zurückgelassen werden. Und auf dem Weg zum rettenden Pillauer Hafen, von dem aus die letzten Schiffe abgehen, wird sein Verantwortungsgefühl noch einmal zusätzlich grausam herausgefordert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.03.2020

Rezensent Wolfgang Schneider bespricht dieses Buch mit großer Aufmerksamkeit für den besonderen Ton der Gebildeten, die in der NS-Zeit keinen Widerstand leisteten, sich aber möglichst entfernt hielten - sowohl von Entscheidungen als auch von der Masse. Königsberg 1945, kurz vor der Einnahme durch die Rote Armee, dient als Ort des Geschehens, und der Autor zeigt die Haltung seines Protagonisten, indem er ihn Goethe lesen lässt, erfahren wir. Der bekennt sich in Umkehrung der Maxime, dass der Einzelne dem Staat zu dienen habe, zu einem "radikalen Individualismus" - angesichts des Zusammenbruchs mit wenig Chance auf Realisierung. Als der Roman 1951 publiziert wurde, hatte man für diesen Blick auf die Nazi-Zeit noch nichts übrig, so Schneider. Beschreibungen der furchtbaren Trecks im Winter sind immer noch ungemein "packend" zu lesen, meint der Rezensent, findet den Autor jedoch in Anlehnung an seine Hauptfigur ein wenig zu bemüht um distanzierte Korrektheit. Dennoch empfiehlt Schneider das Buch als "sehr lesenswerte Wiederentdeckung" und vergibt dem Autor auch die "Patina" zeittypischer Auffassungen weiblicher Charaktere.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.01.2020

Gabriele von Arnim erfährt in Karl Friedrich Borees Roman, was der Krieg mit uns macht. Aus Sicht eines schöngeistigen Chemikers erzählt der 1886 in Görlitz geborene Autor laut Arnim klug wie nüchtern von der Einkesselung Königsbergs, behandelt existenzielle Fragen über Freiheit, Anstand und die Bedeutung menschlicher Bindungen und zeigt, was geschieht, wenn politische Irrwege zur Aufhebung der Rechtsstaatlichkeit führen. Eine Entdeckung von aktueller Relevanz, findet die Rezensentin.

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