Klaus Johannes Thies

Unsichtbare Übungen

123 Fantasien
Cover: Unsichtbare Übungen
edition Azur, Dresden 2015
ISBN 9783942375191
Broschiert, 148 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Mit einem Nachsatz von Michael Krüger. Tag für Tag. Jahr für Jahr. Seit Mitte der 1980er schreibt Klaus Johannes Thies an der perfekten Geschichte. Eine Seite, mehr nicht. Eine Seite voller Sätze, die sich so selbstverständlich zu einem Ganzen fügen wie die Bilder eines surrealen Traums. Eine Seite, die mehr Überraschungen enthält als die meisten 600-Seiten-Romane. Von Robert Walser führt ein schmaler Pfad zu Werder Bremen und von dort zu Frau Erdmann in ihren ultramarinblauen Pumps. Weil es genau so sein muss. Leichtfüßig und elegant kommen diese Fantasien daher. Und da sie sich an einer unstillbaren Sehnsucht entzünden, sind sie natürlich zutiefst melancholisch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.05.2015

Prosaminiaturen haben es nicht leicht im Literaturbetrieb, weiß Kristina Maidt-Zinke, zu kurz noch für Novellen, Stories oder Kurzgeschichten, aber Gedichte sind es nun mal auch nicht, erklärt die Rezensentin. Einer, der trotzdem dem Genre die Treue hält, ist Klaus Johannes Thies, der in "Unsichtbare Übungen" meisterlich "die Kunst der Abschweifung auf kleinstem Raum" demonstriert, berichtet Maidt-Zinke. Aus dem "Erinnerungsmüll eines halben Jahrhunderts" bastelt der Autor seine Miniaturen voll "Scheinnaivität und Hintersinn", die ganz plötzlich die Richtung wechseln können, sich manchmal an nicht mehr als Geräuschassoziationen entlang hangelnd, erklärt die Rezensentin. Nur, warum das Schriftbild mancher Phantasien die Gedichtform vortäuscht, versteht Maidt-Zinke nicht, aber sie vermutet die Antwort beim Autor: "Wenn man klein ist, winkt man einfach nur gern", zitiert die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2015

Es muss ja nicht gleich der Kleist-Preis sein, wie Michael Krüger im Nachwort fordert, aber ziemlich begeistert ist Jan Volker Röhnert auch von Klaus Johannes Thies und seinen Mikrogrammen des Wahnsinns. Das poetische Prinzip (Röhnert erklärts: Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit entstellt) lässt Parkuhren, TV-Geräte, den Hummer im Restaurantaquarium oder den alten jugoslawischen Nationalkeeper grandios recycelt neu erstehen. Das kann Blödelei sein, aber auch sehr tiefsinnig, versichert der Rezensent, oder beides zugleich.

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