Wo immer Klaus Staeck auf seinen vielen Reisen durch Deutschland hinkommt, nimmt er Sittenbilder auf. In Ost und West, vor und nach der Wende, hat er festgehalten, was dem flüchtigen Blick leicht entgeht, Bilder voll charmanter Tristesse und beredter Symbolik. Der Fotograf bewegt sich in keiner blühenden Landschaft, sondern im unwirtlichen öffentlichen Raum, in dem die Bewohner ihre Spuren hinterlassen haben. Menschen treten in Staecks Bildern selten auf; dafür gibt es oft etwas zu lesen: Schilder, Plakate, Graffiti, unfreiwillig komische Parolen, deren muntere Rhetorik nicht recht mit dem schäbigen Ambiente übereinstimmen will. So haben es sich die Deutschländer eingerichtet, ein vereintes Volk von gelegentlich recht befremdender Lebensart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.11.2004
Ulf Erdmann Ziegler schätzt den Grafiker und Politkünstler Klaus Staeck als "genialen Schöpfer höchst memorabler Interventionen" und so hat er dieses "ausladende" Buch mit Freude aufgenommen. Es enthält Fotografien, auf denen Staeck "gut gemeinte Beschriftungen", und dies sind bekanntlich die schlimmsten ("Turmauffahrt + Bockwurst DM 5,-"). Ziegler hat es als eine Art Deutschlandalbum (inklusive Exkurs nach Antwerpen), wobei sich das Land im "sozialen Ort der öffentlichen Bekanntmachung" spiegelt. Aber es bleibt auch ein gewisser Zweifel bei Ziegler: So findet er die Fotografien, die Staeck aus Bitterfeld mitgebracht hat, so eindrücklich, dass ihm die bundesrepublikanischen Entgleisungen danach ein wenig angestrengt vorgekommen sind.
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