Als HipHop sich aus New York über die ganze Welt verbreitete, machte er auch vor dem Eisernen Vorhang nicht Halt und begeisterte ab den frühen 1980er Jahren Jugendliche in der DDR. Leonard Schmieding untersucht den Kulturtransfer des HipHop von der Bronx in die DDR und analysiert seine spezifische Aneignung durch jugendliche und staatliche Akteure. Die offizielle Wahrnehmung als afroamerikanische Kultur und damit als das "andere" Amerika prägte den staatlichen Umgang mit HipHop und die Interaktion mit den Jugendlichen, die sich Freiräume erschlossen, um ihre Version von Breakdance, Graffiti, DJing und Rap zu praktizieren. Dabei distanzierten sie sich immer mehr vom Sozialismus und brachen auf imaginärer Ebene aus der DDR aus, um - in einem Prozess des kulturellen schwarz-Werdens - gefühlt und gedanklich in "Amerika" zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2015
Bodo Mrozek ist beeindruckt, was der Historiker Leonard Schmieding aus vor allem der Auswertung von Oral-History-Quellen über den "HipHop made in GDR" herausgefunden hat, über Graffiti, Rap und Breakdance, letzterer mit eigenwilligen Figuren-Übersetzungen wie der "Bäckspinne" oder der "Cresi-Lex-Technik" adaptiert. Dass die HipHop-Szene der DDR nach dem Mauerfall zusammenbrach, ist nur eines der Zeichen dafür, wie abhängig sie von den staatlichen Förderungen der Jugendkultur war, die ihr trotz des allgemeinen Antiamerikanismus zugute kamen, berichtet der Rezensent.
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