Wo Männer vom Mars sind und Frauen von der Venus, da ist auch die Überzeugung nicht mehr weit, die Unterschiede zwischen dem weiblichen und dem männ - lichen Geschlecht seien selbstverständlich angeboren. Weit gefehlt, sagt die Neurobiologin Lise Eliot. Wissenschaftlich lassen sich zwischen den Gehirnen von Mädchen und Jungen vor und kurz nach der Geburt nur sehr geringe Unterschiede feststellen. Erst im Laufe der kindlichen Entwicklung bis zur Pubertät sorgen äußere Einflüsse - Eltern, Lehrer und gesellschaftliche Konventionen insgesamt - für jene markanten Abweichungen, auf denen die gängigen geschlechtsspezifischen Stereotypen beruhen. Eliot räumt mit diesem Schubladendenken gründlich auf. Jungen sind eben keineswegs per se "besser in Mathematik", sondern lediglich in bestimmten Formen räumlichen Denkens.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 30.09.2010
Sehr empfehlen kann Dorion Weickmann dieses Buch der Chicagoer Neurobiologin Lise Eliot, das die Rezensentin als Gegenentwurf zu Louann Brizendines "Das weibliche Gehirn" versteht. Darin propagierte die Kalifornierin die genetische Programmierung der Geschlechter, gegen die Erziehung oder Umwelteinflüsse wenig ausrichten könnten. Dagegen setzt Eliot die "phänomenale Fähigkeit" des Gehirns, sich immer neu zu formatieren und damit auch unterschiedliche Fertigkeiten auszubilden. Allerdings gebe es durchaus Unterschiede in der hormonellen Entwicklung, so reife das männliche Hirn im frühen Schulalter langsamer als das weiblich, so dass Jungen tatsächlich mehr Sportmatten als Computer bräuchten. Andererseits würde Mädchen gelegentlichen Toben auch gut tun, das trainiere die räumlichen Sinne und vielleicht auch das Verständnis für Geometrie.
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