Magdalena Schrefel

Brauchbare Menschen

Erzählungen
Cover: Brauchbare Menschen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783518128008
Kartoniert, 183 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Die neue Kollegin einer Sexarbeiterin ist aus Silikon. Ein Schlachtergehilfe hantiert in der "Fleischfabrik" mit hochmodernen Tötungsmaschinen. Und die Auszubildenden einer Flughafen-Security sollen verinnerlichen, dass erst regelkonformes Verhalten sie zu Menschen macht.Magdalena Schrefels Figuren stehen vor den alltäglich-absurden Herausforderungen des Spätkapitalismus - Automatisierung, Kontrolle, Prekarität - und finden überraschende Wege, mit dem Unzumutbaren umzugehen. Und sie fragen nach den Bedingungen der Entstehung von Literatur: Wie macht sie sich Menschen zunutze? Und ist Literatur Arbeit, ja, sogar systemrelevante?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 25.04.2022

Angeregt liest Rezensentin Sonja Hartl die zwölf Geschichten, in denen Magdalena Schrefel von der Arbeit und ihrer Zukunft der Künstlichen Intelligenz erzählt. Da trifft eine Reporterin einen rumänischen Arbeiter in einer Fleischverarbeitungsfabrik, und Sexarbeiterinnen füttern die künstliche Intelligenz ihrer Roboter-Kollegin mit eigenen Geschichten. Am meisten überzeugt die Rezensentin aber die Erzählung über den Vater, dessen Leben von der Arbeit als Bäcker noch über den Beruf hinaus geprägt ist und der Tochter, die dieses Arbeitermilieu verließ und nun über Klasse, Scham und Herkunft nachdenkt. Generell werden in diesem "spröde-bestechenden Band" Vorurteile hinterfragt und prekäre Arbeitsverhältnisse auch im Literaturbetrieb verortet, stellt die Rezensentin fest. Passend findet Hartl, dass einige der meist dialogisch strukturierten Texte von einer Radioreporterin erzählt werden, wobei sie den Theatereinfluss auf die Autorin erahnt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.03.2022

Rezensentin Marlen Hobrack findet spannend, wie die junge österreichische Autorin Magdalena Schrefel in ihren Kurzgeschichten von prekären Arbeitsverhältnissen in Landwirtschaft, IT und Sexarbeit erzählt und dabei gleichzeitig ihre eigene Arbeit als Schriftstellerin reflektiert. Denn wie die körperliche Arbeit des rumänischen Schlachters Radu oder der Roboter-Sexarbeiterin Gigi und ihrer menschlichen Kolleginnen ist auch die geistige Arbeit der schreibenden Ich-Erzählerin, auf den Stundenlohn heruntergerechnet, unterbezahlt, liest Hobrack. Besonders gelungen verhandelt werde dieses Thema in einem der Texte, der sich ebenso als Kurzgeschichte wie als mündlich vorgetragene Preisrede lesen lässt, weil hier die Körperlichkeit des Sprechens und die "Entkörperung" der Schrift gegeneinander geführt werden, analysiert Hobrack. Ob die immerhin vom Körper "emanzipierte", aber dennoch prekäre geistige Arbeit in Zukunft KI-Arbeit wird, fragt die Kritikerin zum Schluss bang.

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