Aus dem Polnischen von Martin Pollack. 2003 kaufte Mariusz Wilk im Dorf Konda Bereschnaja am Onegasee im Norden von Russland ein riesiges, hundert Jahre altes Holzhaus. Als er es bezog, war es eine Ruine ohne Strom, die 37 Fenster und Türen waren mit Brettern vernagelt, die sechs großen gemauerten Öfen zerstört, der Wind pfiff vom Parterre bis hinauf in die Mansarde. Um das Überleben in dieser fast menschenleeren Gegend zu sichern, musste er selbst Hand anlegen. In dieser Reportage wirft Mariusz Wilk aus einem unwirtlichen Winkel der Welt seinen Blick auf das große Ganze Russland. Er erzählt von den "Skomorochy", wilde russische Minnesänger, die einst den orthodoxen Klerus verhöhnten, vom unerbittlichen Winter und dem Einsetzen des Sommers, der hier nur einen Monat dauert und die Natur gleichsam explodieren lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2009
Zentralheizungsverwöhnt wie sie ist, gesteht die Rezensentin sowohl ihre Begeisterung für das Melancholisch-Dramatische dieser Tagebuchaufzeichnungen aus der kalten nordrussischen Peripherie wie auch für deren ethnografischen Wert. Daran dass der polnische Autor Mariusz Wilk seinem Kollegen Stasiuk in puncto Poesie des Verlorenen nicht nachsteht, hat Sabine Berking keinen Zweifel. Dankbar konstatiert sie, dass Wilk nie ins Preziöse oder ins regressiv Utopische verfällt und sich auch sonst eher in guter Gesellschaft bewegt, wenn er dem Verfall dörflicher Strukturen und Traditionen nachgeht. Kulturpessimismus und Nationalpathetik jedenfalls kennt sie als Konstituens der sowjetischen Dorfliteratur. Hätte der Autor nicht so sehr mit Anmerkungen gespart und den ein oder anderen russischen Begriff übersetzen lassen, Berking hätte das Buch noch lieber gelesen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2008
"Das Haus am Onegasee? sind die Tagebücher des polnischen Schriftstellers Mariusz Wilk, die er in der weiten Natur des Onegasees an der finnisch-russischen Grenze in Karelien niedergeschrieben hat. Rezensent Andreas Breitenstein liest die Chroniken mit Interesse und versucht, Wilks gedankliche Reise nachzuvollziehen. Die Impressionen der einsamen und zum Teil unbarmherzigen Natur haben ihn dabei beeindruckt; Wilk kann auf "ekstatische Weise? beschreiben, meint er. Den Autor hat es Breitenstein zufolge hierher verschlagen, weil sein voheriges Aussteigerparadies am Weißen Meer von Touristen überlaufen wurde. Nun suche er am Onegasee die Tristesse und das Verschwinden und setze sich gleichzeitig mit dem sowjetischen Vermächtnis in der Region auseinander: der Kahlschlag durch die USSR habe zu Armut und Verwahrlosung geführt, erzählt Breitenstein. Im Laufe des Aufenthalts besinnt sich Wilk auf das Erbe karelischer Kultur und wird mitgerissen von dem Glaubenseifer der Bürger. Diese spirituelle Reise ist für Breitenstein aufgrund historischer und kultureller Besonderheiten interessant; insgesamt nennt er das Tagebuch ein "Brevier der Weisheit und des Trostes?.
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