Aus dem Französischen von Till Bardoux und Oliver I. Schulz. Marseille, Inbegriff von mediterraner Weltoffenheit, ist zugleich ein städtischer Kosmos, in dem massive soziale Gegensätze aufeinanderprallen. Philippe Pujol beschreibt die Stadt und ihre Akteure, von den minderjährigen Straßendealern bis zu der unheiligen Allianz zwischen Lokalpolitikern und Immobilienhaien. Wie in einem Brennglas zeigt er, was auch anderswo in Frankreich, ja europaweit zunehmend politischen und sozialen Sprengstoff birgt: Korruption und Klientelismus, ganze gesellschaftliche Bereiche, die in Armut, Kriminalität und Perspektivlosigkeit versinken und so zum Nährboden politischer Radikalisierung werden.
Rezensentin Elisabeth Raether lernt die düsteren Seiten von Marseille kennen in diesem neuen Buch des Journalisten Philippe Pujol. Die Kritikerin liest von Gewalt, Kriminalität, Drogen und Radikalisierung, begegnet in den anekdotischen Erzählungen des Autors kundigen Zehnjährigen, die über Polizeiwaffen diskutieren, und lernt einiges über die Ursachen dieser Parallelgesellschaft: Pujol nennt neben der "verfehlten" französischen Wohnungsbaupolitik der Sechziger, die viele der Gastarbeiter in den Durchgangssiedlungen zurückließ, auch den Klientelismus der Stadt, informiert die Rezensentin, die das Buch offenbar mit Gewinn gelesen hat.
Der Hype um Philippe Pujols Marseille-Buch "Die Erschaffung des Monsters" ist nicht gerechtfertigt, findet Klaus Bittermann. Im Grunde sei dies ein ausgewalzter Magazinartikel, in dem empört über empörende Schicksale berichtet wird, jedoch wenig Kontext geliefert wird, weder historischer noch sonstiger, schimpft der Rezensent. Um jedoch nur aus der Reihung einzelner Schicksale ein komplexes Bild Marseilles und seiner Zustände entstehen zu lassen, fehlt es Pujol an erzählerischem Talent und an einem unbefangenen Blick, kritisiert Bittermann.
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