Die Flick-Affäre hat ihren festen Platz in der Zeitgeschichte. Transparenz ist eines der populärsten Schlagwörter heutiger politischer Debatten. Martin Mainka begibt sich auf die Suche nach den historischen Wurzeln dieses Phänomens: Im Gefolge eines der größten politischen Skandale der Bundesrepublik Deutschland - in den 1980er Jahren wurde aufgedeckt, dass der Flick-Konzern jahrelang verdeckte Parteienspenden geleistet hatte - gewann Transparenz als Teil neuer Demokratiekonzepte an Bedeutung; die repräsentative Demokratie und die etablierten Parteien büßten an Legitimität und Vertrauen ein. Erwartungen an die Politik wandelten sich; neue politische Akteure, die ein anderes Demokratieverständnis repräsentierten, betraten die politische Bühne. Vor dem Hintergrund zunehmender Moralisierung der öffentlichen Debatte, einer neuen Härte der Parteienkritik und des Korruptionsvorwurfs wurde Transparenz zum Ideal und Leitbegriff bundesdeutscher Politik - sei es bei der Aufklärungsarbeit des Flick-Untersuchungsausschusses oder bei den Reformen der Parteienfinanzierung und der Verhaltensregeln für Abgeordnete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2023
Ein erhellendes Buch über die ambivalente Funktion von Transparenz im politischen Raum hat Martin Mainka geschrieben, so Rezensent Justus Bender. Die Rezension zeichnet zunächst nach, wie die noch in der frühen Nachkriegszeit oft misstrauisch beäugte Forderung nach mehr Transparenz durch den doppelten Siegeszug der Umweltbewegung und des Neoliberalismus zum gesellschaftlichen Konsens wurde. Eine zentrale Rolle spielte außerdem, zeichnet Bender mit Mainka nach, die Flick-Affäre der Achtziger, während die Wikileaks-Veröffentlichungen den bisherigen Gipfel der Komplettoffenlegung markieren. Der Historiker Mainka selbst ist kein Freund der bedingungslosen Transparenz, lernen wir. Und zwar, weil in seinen Augen Transparenz stets neue Intransparenz hervorbringe: irgendjemand müsse schließlich die Unmengen an Informationen, die plötzlich zugänglich sind, wieder ordnen und für die Öffentlichkeit aufbereiten. Und diese "Mittlerorganisationen" (Zitat Mainka) seien dann selbst keineswegs transparent. Laut Bender sieht Mainka gar eine Nähe zwischen Forderungen nach Transparenz und Verschwörungstheorien, weil beide das Bild der Politik als eines korrupten Sauhaufens verstärken. Ein wichtiges, genuin aufklärerisches Buch, findet Bender, der außerdem verweist, dass die Transparenz mancherorts bereits wieder auf dem Rückzug ist, zum Beispiel bei den einst besonders offenlegungswilligen Grünen.
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