Mit 24 Abbildungen und 18 Schwarzweiß-Abbildungen. Richard Dindo (1944-2025) ist ein herausragender Exponent des Schweizer Dokumentarfilms. Mit "Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S." hat er tief auf das helvetische Selbstverständnis eingewirkt. Öffentlich aufgerüttelt haben auch "Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg" und Untersuchungen zum gewaltsamen Tod von Jugendlichen in den 1980er-Jahren ("Dani, Michi, Renato & Max", "Verhör und Tod in Winterthur"). Dindos Motivation galt der Erinnerung an Widerständige, an Rebellen und Träumer, oft mit Blick auf deren utopisches Potenzial. Mehr und mehr ist er dabei in autobiografischem Material fündig geworden: bei Max Frisch vorab, bei Jean Genet, Ernesto "Che" Guevara, Arthur Rimbaud, Max Haufler, Charlotte Salomon, Henri Matisse oder Paul Gauguin. Bislang hat eine eingehende Darstellung von Dindos Methode filmischer Rekonstruktion von Erinnerung gefehlt. Ausgehend von seiner Prämisse, dass Nichterinnerung Selbstzerstörung ist, erhellt dieser Streifzug durch das OEuvre seine Bedeutung und Vielseitigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2026
Heute vor einem Jahr ist mit Richard Dindo einer der wichtigsten Schweizer Dokumentarfilmer gestorben, erinnert Rezensent Tobias Sedlmaier. Der frühere NZZ-Filmkritiker Martin Walder hat sich nun der Aufgabe angenommen, uns den "Erinnerungsarbeiter" Dindo vorzustellen: Er nutzte die Montagetechnik, um Ungerechtes und Unangepasstes zur Sprache und zum Bild zu bringen, erfahren wir, wichtig war sein Film über Ernst Schrämli, der wegen Nazi-Kollaboration hingerichtet wurde. Walder hebt hervor, wie wichtig es dem Filmemacher war, denen zu einer Stimme zu verhelfen, die sonst keine haben, zeigt aber auch Widersprüche im Werk auf, wie wir lesen. Sedlmaier hat nach der Lektüre jedenfalls große Lust, sich mit Dindo und seinen Filmen zu befassen.
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