Das Kino war vielleicht die massenkulturell wichtigste Erfindung des 20. Jahrhunderts. Kunstansprüche werden in dieser Symbolform ebenso realisiert wie säkularisierte Spielarten der Religion, Schulungen der Wahrnehmung, Abenteuer der Emotion und Laboratorien der Kommunikation. Im Kino spiegelt sich die Welt in ihren Möglichkeiten. Hier kommt Welt zur Erscheinung und wird auf Gedankliches hin durchsichtig. Was wir auf der Leinwand betrachten, ist nie bloße sinnliche Erscheinung, sondern eine bestimmte Formierung von Sinn. Deshalb sind Bilder des Kinos mehr und anderes als Projektionen banaler menschlicher Wünsche oder deren industrielle Ausbeutung. In ihnen werden Varianten der Welt denkbar, deren Reflexionsgehalt noch im ungetrübten Vergnügen an der Filmwirklichkeit einen Überschuss über schlichte Identität als Verdoppelung des Selben bedeutet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2014
Hans J. Wulff schätzt Dirk Rustemeyers Buch "Darstellung" als "Entwurf einer Philosophie des Kinos". Dabei geht es dem Kulturphilosophen und Bildungstheoretiker seines Erachtens nicht nur um eine "semiotisch inspirierte" Filmtheorie, sondern auch um die Praxis einer Interpretation, die auch tiefere Sinnstrukturen des populären Kinos einbezieht. Wullf lobt in diesem Zusammenhang Rustemeyers Augenmerk auf einer Sensiblisierung für die im Kino angesprochenen Tiefenthemen. Das Buch erscheint ihm insofern auch als kluger Beitrag zur Förderung von Medienkompetenz, deren Ziel nicht der Konsum, sondern die Reflexion und Nutzung des Kinos als Instrument des Denkens ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2013
Dass die Massenkultur eigentlich nur spielen will, erfährt Philip Kovce bei dem Philosophen Dirk Rustemeyer, der in diesem Band 150 Filme, "Dirty Harry" und andere Blockbuster, in Detailanalysen auf ihre Fähigkeit hin untersucht, Unterhaltung und religiöse, metaphysische und politische Motive miteinander zu vereinen. Laut Kovce ergibt das kein Nachschlagewerk, sondern eine gegenüber der Massenkultur erstaunlich entspannt auftretende Philosophie. Kleine Ungereimtheiten in der Abstimmung zwischen Theorie und filmischer Praxis sowie reflexive Redundanzen eingeschlossen, meint der Rezensent.
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