Nicht erst die Epoche nach "9/11", sondern schon die 1970er Jahre waren eine Ära des grenzenlosen Terrorismus. Mehrmals hielten transnational vernetzte und operierende Terroristen die Regierungen und die Öffentlichkeit in Westeuropa durch Geiselnahmen in Atem. Besonders spektakulär waren das Olympia-Attentat von München (1972), die OPEC-Geiselnahme in Wien (1975) sowie die Molukkeranschläge in Den Haag, Beilen und Amsterdam (1974/75). Wie reagierten die betroffenen Staaten auf diese neue Herausforderung, in der die Grenzen zwischen innerer Sicherheit und Außenpolitik verschwammen? Matthias Dahlke zeigt anhand erstmals ausgewerteter Dokumente, wie drei verschiedene westeuropäische Regierungen auf unterschiedlichen Wegen zum Grundsatz der Unnachgiebigkeit gelangten, zugleich aber auch Geheimabsprachen mit Terroristen nicht scheuten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.02.2012
Es ist die internationale Perspektive, die Willi Winkler besonders schätzt an dieser Studie des Zeithistorikers Matthias Dahlke. Dahlke betrachtet staatliches Handeln im Angesicht des internationalen Terrors in Westeuropa zwischen 1972 und 1975. Ob der Opec-Überfall in Wien, die Besetzung der französischen Botschaft in Den Haag oder der RAF-Terror in der Bundesrepublik – laut Winkler gelingt es Dahlke anhand von Regierungs- und Verwaltungsakten, souverän die Unterschiede der staatlichen Reaktionen herauszuarbeiten. Allerdings entdeckt Winkler neben einer gewissen Kleinlichkeit (so bei der Gewichtung von Brandts Leistung 1972 in München) gedankenlose Formulierungen und sogar falsche Darstellungen, vor denen ein besseres Lektorat das Buch hätte bewahren können und sollen, wie er findet.
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