Auf einer tunesischen Ferieninsel lernt ein junger Schriftsteller den Jesuiten Joseph Kuklinsky kennen. Dieser stellt sich als Mitglied einer Ethikkommission vor und verwickelt den jungen Mann in teils philosophische, teils seltsam indiskrete Gespräche. Nach kurzer Zeit bietet er ihm an, für einen hohen Geldbetrag Geschichten zu schreiben, über deren Inhalt er frei entscheiden kann. Die einzige Hilfestellung: Erklären Sie jemandem den Menschen, der den Menschen nicht kennt. Bald stellt sich heraus, dass Kuklinskys Vorhaben von einem internationalen Software-Konzern finanziert wird und Teil eines groß angelegten Projekts zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz ist. Der Name des Projekts lautet KIND (Key Intentional Net Debutant). Die Texte, die im Zuge der sonderbaren Freundschaft der beiden entstehen, dienen als Übungswelten - ein Pendant zur genetischen Vororganisation des menschlichen Gehirns. Die erwachende Künstliche Intelligenz soll so in die Lage versetzt werden, eine eigene Erlebnisfähigkeit zu entwickeln. In dem jungen Mann regt sich Widerstand gegen ein Projekt, dessen Charakter er nicht durchschaut und das er mit immer extremeren Geschichten zu beeinflussen versucht...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.02.2008
Durchaus interessiert zeigt sich Verena Mayer an Andreas Hirths Roman um einen Softwarekonzern, der an einem Wesen mit künstlicher Intelligenz arbeitet, genannt KIND, dessen Bestimmung es ist, allen Menschen ein angenehmer Freund zu sein. Vor allem die Geschichten des zufällig zum Entwickler-Team gestoßenen Ich-Erzählers, die die ersten Informationen für KIND enthalten, hat sie mit Gewinn gelesen. Wer einen Science-Fiction-Roman erwartet, wird ihres Erachtens freilich enttäuscht werden. Das Buch ist in ihren Augen eher ein umfangreicher Wissenschaftsroman, in dem es kaum Handlung gibt, die Figuren nicht sehr ausgefeilt sind, dafür aber permanent über Technik, Kunst, Religion, Mathematik und Philosophie diskutieren. Mayer hat beim Lesen mehr und mehr den Eindruck, einen langen Wikipedia-Eintrag zum Thema Künstliche Intelligenz vor sich zu haben. Dabei hat sie eine Menge über das Thema gelernt und fühlt sich "geistig erfrischt" nach der Lektüre. Allerdings weiß sie nicht so recht, was sie letztlich mit dem Buch anfangen soll, zumal die ganzen Exkurse weder für das künstliche Wesen noch für den Ich-Erzähler irgendwelche Konsequenzen haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2007
Von der Idee her faszinierend, von der Ausführung bemüht. So ungefähr lautet das kurz formulierte Verdikt in Alexander Müllers Kritik dieses Romans über Künstliche Intelligenz. Immerhin bescheinigt Müller dem Autor aber, den Forschungsstand verschiedener Disziplinen in Sachen Künstlicher Intelligenz recht gut präsent zu haben. So lässt sich der Roman vielleicht als Einführung lesen? Die besseren Romane zum Thema haben nach Müller allerdings Stanislaw Lem, Philip K. Dick und Neal Stephenson geschrieben.
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