Max Goldt

Aber?

Cover: Aber?
dtv, München 2025
ISBN 9783423284882
Gebunden, 160 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Der hat aber eine richtig schöne Schrift. Diese Unterschrift ist ja ein richtiges kleines Kunstwerk.""Muß ja sein. Seine Texte sind ja auch richtige kleine Kunstwerke!""Aber wie der den Stift hält! So krumm!""Aber eine schöne Schreibmappe hat er! Sogar aus echtem Leder.""Der Stift ist auch sehr schön! Der Mann ist eben ein richtiger Profi!""Meine Mutter hatte auch mal so einen schönen Stift wie der, aber sie ist nach Thailand gefahren und hat den Stift dann nie wiedergefunden. Wahrscheinlich geklaut! Das Hotelpersonal wird ja so schlecht bezahlt!"

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.09.2025

Rezensent Konstantin Nowotny kennt Bücher von Max Goldt als "Festspiele der deutschen Sprache", auch oder gerade weil der Autor konsequent an der alten Rechtsschreibung festhält. Goldts neues Werk bringt den Autor laut Nowotny leider stellenweise in die Nähe des Kabaretts bzw. der Comedy, vor allem, wenn er sich als Zeitgeist-Kommentator präsentiert. Besser gefällt Goldt dem Rezensenten, wenn er anekdotisch weise sein Dasein als Autor begleitet, an Weggefährten wie Wiglaf Droste erinnert oder im Dramolett über den Wortwandel von "Frisöse" zu "Friseurin" nachdenkt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2025

Rezensent Edo Reents feiert Max Goldts Comeback als Lehrstunde in unkonventionellem Denken und Sprechen" und warnt zugleich vor falscher Harmlosigkeit. Goldt ist der "originellste" Autor der vergangenen 35 Jahre, findet der Kritiker. Im neuen Band zeige sich erneut sein Distinktionsbedürfnis: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken." Die Dramolette spielen raffiniert mit Sprache und Selbstcharakterisierung. Besonders der Nachruf auf Wiglaf Droste, den Reents als das "Filetstück" der Sammlung ausmacht, kann irritieren: "Die Phase der Pietät ist nun wohl vorbei", schreibt Goldt, und spart nicht mit scharfen Beobachtungen, die das nicht gerade freundschaftliche Verhältnis der beiden offenbaren. Reents lobt die "einsame Stilkunst" ohne "Niveauverlust", merkt aber auch Goldts kühle, manchmal "eisige Schärfe" an. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.09.2025

Wie sich die Zeiten doch ändern können, denkt Oliver Jungen bei der Lektüre von Max Goldts neuem Buch. Was früher einmal "frech" und provokant daherkam, verliert sich heute leider in "bleiernem Altherrenhumor", seufzt der Kritiker. In den sprachkritischen Analysen, wenn Goldt zum Beispiel den hölzernen Mediendiskurs unter die Lupe nimmt, scheint für den Kritiker der gewohnte "Scharfsinn des unbestechlichen Moralisten" durch. Sonst tendiert das Buch leider zu Klischees, wie der überholten Kritik an gentrifizierten Hipstern oder dem Anprangern politisch korrekter Sprache. Ein bisschen Misogynie ist auch dabei, wenn Goldt sich über Frauenfußball auslässt oder "Hashtag-Feminismus" ankreidet. Dass sich der Autor mit "Man-wird-doch-noch-sagen-dürfen-Humoronkeln" wie Dieter Nuhr auf eine Ebenen stellt, findet Jungen eher "traurig" - eine Empfehlung kann er hier nicht aussprechen. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2025

Rezensent Paul Jandl liest Max Goldt gierig und mit größter Befriedigung als Antidot gegen die Verblendung und Verkürzung, deren toxischen Keimen wir ununterbrochen ausgesetzt sind - in sozialen Medien, dem öffentlich rechtlichen Fernsehen oder auch so einigen vermeintlich progressiven Kreisen. In gewohnter Goldt-Manier, heißt mit Biss, Sprachwitz und analytischem Scharfsinn, beleuchtet er blinde Flecken, vor allem der gesellschaftlichen Linken, entblößt die Selbstgefälligkeit hinter Gesten der Betroffenheit und kämpft gegen die "Schrumpfkommunikation der Medien" an, indem er eine Phrase nach der anderen auseinander nimmt. Nicht alle der in "Aber?" versammelten Texte sind brandneu, weiß Jandl, aber das brauchen sie auch gar nicht zu sein, denn als köstliches Gegengift gegen die Geistlosigkeit sind sie zeitlos, so der in mehrerlei Sinne des Wortes begeisterte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.08.2025

Rezensent Jakob Hayner freut sich über einen Band mit neuen Texten von Max Goldt. Hayner trifft auf sprachlich bekanntlich fein- und scharfgeschliffene Urteile zum Thema Presse, Homo-Ehe, Frauenfußball, Feminismus, Sprache etc. Auch Goldts Erfahrungen mit Lesereisen sind laut Hayner lesenswert. Dass der Autor auf Befindlichkeiten nicht unbedingt Rücksicht nimmt, gehört zum Spaß und zu Goldts polemischem Ästhetizismus dazu, warnt Hayner. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.08.2025

So richtig warm scheint Daniel Gerhardt nicht mit den Texten zu werden, die Max Goldt nach fast 15 Jahren zum ersten Mal in einer Sammlung überwiegend neuer Beiträge veröffentlicht. Das, was Goldt Journalisten vorwirft, nämlich die Phrasendrescherei, kann Gerhardt durchaus gut nachvollziehen: Ihm erscheint Goldts Stil wie "unter halsbrecherischem Einsatz" entstanden und alles unter sich erschlagend. Thematisch aber kann er den Kritiker mit vermeintlich humoristischen Beschwerden über die Langeweile des Frauenfußballs nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Medienaufreger über die "Homo-Ehe" und ein Gespräch zwischen Morrissey und dem Spiegel beschreibe Goldt zudem mit der für ihn typischen "Ablehnung erzwungener Schlusspointen". Der Kritiker hofft, dass bald wieder spannendere Aufreger um die Ecke kommen, über die Goldt dann auch wieder spannender schreiben kann. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2025

Rezensentin Marie Schmidt versucht in ihrer Besprechung von Max Goldts neuem Band, dem Phänomen ein wenig auf die Schliche zu kommen: Fast jeder Feuilletonist scheint ihn für seinen Witz und seine klaren Meinungen zu verehren. Sie möchte sich gar nicht an einer Zusammenfassung der kurzen, hier versammelten Texte versuchen, sondern vielmehr auf die Freiheit seines Stils verweisen, keine Umgangssprache, Substantivierungen, "weniger hüftsteif" als die Standardsprache. Die steilen Thesen, die er hier vertritt, können Schmidt eher weniger überzeugen, zumal der Gestus des Konträren sich doch merklich abgenutzt hat, aber insgesamt ist der Band typisch Goldt, wie sie resümiert. 

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