Mazen Abdallah, Haidar Safa

Die Vogelscheuche

Roman
Cover: Die Vogelscheuche
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518416976
Paperback, 108 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Am 11. September 2001, als Bilder aus New York den Fernseher besetzt halten, beginnt Adam sich eine Vogelscheuche zu bauen, wie er sie vor vielen Jahren in seinem Dorf südlich von Beirut zum erstenmal gesehen hat.
Die Freunde haben ihn verlassen, er hat sie weggeschickt. Jetzt schafft er sich jemanden, der zuhört und schweigt, der alles mitmacht. Mit ihm wird er eine "Schweigensrepublik" gründen. Spinnt Adam?
Das Waisenkind, das sich im Bürgerkrieg einer Miliz anschloß, arbeitet jetzt, mit 44, in Beirut als Fernsehregisseur. Als er eines Morgens wegen Lärmbelästigung einen Müllmann attackiert, wandert er ins Gefängnis. Heraus holt ihn eine Vogelscheuche, die neuerdings Antworten gibt und sogar eigene Meinungen vertritt. Beinahe endet der Ärger mit dem unbotmäßigen Geschöpf in einer Katastrophe - da tritt der Anfangszustand wieder in Kraft: An der Wand seines Zimmers lehnt, unbeweglich und stumm, die Vogelscheuche. Adam spinnt. Er ist glücklich. Wie lange noch?
Eine kurze, erschreckende Geschichte aus dem Beirut von heute, schnell und merkwürdig beschwingt, sparsam und atemberaubend direkt von zwei Libanesen auf deutsch erzählt: Wohin geht die Flucht, wenn Vater und Mutter fehlen und niemand an die Stelle tritt, wenn die Regeln des Zusammenlebens, die eh aus Willkür und Zwang zu bestehen scheinen, durch blanke Gewalt ersetzt werden?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2005

Ein wundersames Buch aus dem Libanon zeigt Stefan Weidner an. Geschrieben haben es der Maschinenbauingenieur und Deutschlehrer Haidar Safa und der Banker Mazen Abdallah, und die deutsche Übersetzung haben sie auch gleich selbst besorgt. Held des Romans ist der elternlose Adam, der bei seiner Großmutter aufwächst und all seine "Wahnvorstellungen und Weltrettungsphantasie" in Gesprächen mit einer Vogelscheuche austragen. Der Vorteil dieses einseitigen Dialogs ist natürlich, dass niemand widerspricht. Sehr treffend findet Weidner, wie Safa und Abdallah beinahe weise das System Nahost darstellen - durch "die konsequente Übersteigerung des alltäglichen Wahns". So gelinge es den beiden Autoren mit wenigen Strichen, versichert Weidner, "ein groteskes und verstörendes Bild des heutigen Libanons zu zeichnen".

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